Zauberhafte Physik, polnischer Kaffee und ein Glücksgrosz
Mittwoch 19-09-07
Der Besuch an der der Uni war ziemlich merkwürdig. Wir besuchten den Physiksektor. Die Säle waren mit Glitzer geschmückt, physikalische Formeln hingen neben Bildern von Aladin, der Wunderlampe und ähnlichen Zauberfiguren. Ein Professor führte physikalische Experimente wie auf Luftballons stehen und Luft einfärben vor. Das ganze glich eher einer Zauberervorstellung als einer Einführung ins Studium Fach Physik. Ich glaube kaum dass den Schülern ein akkurates Bild der Physikwissenschaften vermittelt wurde, aber ich hatte meinen Spaß. Ich lernte ein wenig die Uni kennen, denn ich werde voraussichtlich die nächste Woche mit neu angekommenen Erasmusstudenten verbringen und mit ihnen ein einwöchiges Einführungsseminar in die polnische Kultur, Geschichte und Sprache bekommen. Es hört sich sehr gut an, ich hoffe es wird auch so interessant wie es klingt. Am Nachmittag traf ich mich mit Ania und Eni auf einen Kaffee. Dabei musste ich wieder mal feststellen, das Verständnis von einem Kaffee sich nicht nur in Deutschland und Frankreich unterscheidet (Ute, wir können ein Lied davon singen, tu te souviens?), sondern auch in Polen. Hier lässt man nämlich das Kaffeepulver in der Tasse, sodass man dauernd Kaffekrümel im Mund hat und am Ende die halbe Tasse voll Kaffeesatz. Ähm ja sehr ähm anders, das kann doch nicht gesund sein oder? I think I’ll stick to my roots ;), a nice eastfrisian Cup of tea bears fewer risks .
Erschrocken war ich als ich während des Gespräches erfuhr, wo der durchschnittliche Stundenlohn in Polen liegt: Unglaubliche 3.50 Sloty (circa 90 Eurocent) die Stunde. Ania hatte mir nämlich grade stolz erzählt, dass sie einen Job als Flyerverteilerin bekommen hatte, gut bezahlt ihrer Meinung nach (5 Sloty (1,30 Euro die Stunde). Da ich den gleichen Job in Aurich schon gemacht habe für sieben Euro die Stunde, war ich ziemlich geschockt. Denn soviel billiger ist das Leben hier nicht. Lebensmittel sind wirklich nicht viel billiger, Klamotten sogar fast genauso teuer wie in Deutschland.
Weiterhin sprachen auch viel über Unterschiede zwischen der polnischen und deutschen Mentalität, speziell der Männer ;), denn mir war aufgefallen, dass die polnischen Männer noch ziemlich gut die “Good Old Gentleman Manners ” beherrschen. Einem Mädchen wird immer die Tür aufgehalten und kein Mann betritt vor dir ein Zimmer oder Auto, einem Mädchen Blumen zum Date mitzubringen ist hier, wurde mir erzählt, schon fast ein Muss. Das mir immer die Tür aufgehalten wird, finde ich teilweise etwas befremdlich, nicht weil meine feministische Ader das als Kränkung auffasst ;). Im Gegenteil ich finde es sehr charmant, allerdings bin ich da so nicht daran gewöhnt, vergesse es immer wieder und so kommt es häufig zu einem Vorundzurückgerücke auf der Türschwelle. Generell spielen die Regeln des “Savoir viere” grade in Restaurants noch eine ziemliche Rolle.
Am Abend bekam ich dann endlich meine Kücheneinrichtungsgegenstände, sodass ich jetzt Besteck, Töpfe und so weiter habe und hab erst mal gründlich die versifften Schränke ausgewischt und alles eingerichtet und etwas gemütlich gemacht. Dabei fand ich einen Glücksgrosz auf dem Schrank und die Anleitung meiner tollen Waschmaschine, die schon total vergilbt war und tatsächlich aus Mitte des 20ten Jahrhunderts stammt.








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