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Tagebücher

Zakopane, der Papst, Bärenscheuchen anstatt Elefantenklopapier, die Bestätigung abergläubischer Bräuche

04. Oktober 2007

Montagfrüh packte ich meinen Rucksack und traf an der Schule auf einen Haufen aufgeregter, reisefertiger 17-jähriger Schüler. Dagmara, die ich schon vom Shoppen mit Mr. Charming kannte, nahm mich sogleich unter ihre Fittiche. Wie immer bei Schulausflügen hier, muss man erst mal mindestens auf die Polizei warten, da es hier Pflicht ist, die Busse und Busfahrer vorher durchzuchecken. Auf der Fahrt war es sehr interessant, die wechselnde Landschaft zu beobachten.

Je weiter wir in die Berge fuhren, desto ländlicher wurde es. Tolle Bauernhäuser und riesige Gärten. Am Straßenrand konnte man beobachten, wie eine alte Frau mit zwei Kühen ihres Weges zockelte oder Kinder auf einem alten Trecker spielten. Alles war in Herbstfarben getaucht und auf den Bergkuppen glitzerte der Schnee. Wie ich so aus dem Fenster schaute, erweckten kurios aussehende Figuren meine Aufmerksamkeit. Auf den Feldern standen in regelmäßigen Abständen Holzstöcke, die mit Heu so umlagert waren, dass von Weitem wie Bärenfamilien aussahen. Zuerst nahm ich an, es wären so etwas wie Vogelscheuchen, doch dann erfuhr ich, dass das eine Region spezifische Art ist, das Heu aufzubewahren. Was bei uns also in riesigen Elefantenklopapierrollen rum liegt, wird hier elegant als Bärenfiguren aufgestellt. :-)

Die zweite ortsspezifische Besonderheit lernte ich dann im Zentrum von Zakopane kennen: “Oscypek”, ein ganz spezieller Schafs- oder Ziegenkäse, der ziemlich salzig ist und ein bisschen Kaugummikonsistenz hat, jedoch wunderbar mit warmen Brot schmeckt. Zakopane ist ansonsten eine typische kleine Touristenstadt und nachdem wir die Innenstadt besichtigt hatten, fuhren wir auf einen Berg um einen guten Ausblick zu haben. Dort war es schon ziemlich kalt und man konnte die noch grünen Skischanzen sehen. Abends in der Jugendherberge spielte sich das übliche Jungs klauen den Mädchen die Zimmereinrichtung Spiel ab und endete mit zwei sturzbetrunkenen Jungs und enttäuschten Lehrerinnen, da merkte ich, dass ich doch keine 17 mehr bin. :-)

Am Dienstagmorgen war eine Wanderung angesetzt. Die sich allerdings als zweistündiger kleiner Spaziergang durch einen Nationalpark mit ausgiebiger Begutachtung einer Kirche und eines Friedhofs herausstellte. Dort war alles voll mit Bildern und Skulpturen von dem ehemaligen polnischen Papst und der polnischen Flagge, gepflastert, da Zakopane stolzerweise sein Lieblingsort war und die Gegend sehr katholisch geprägt ist.

Ich lernte einen Schüler kennen, der ein Jahr in London war und dort in einer WG mit einem Südafrikaner zusammengelebt hatte und nun ganz heiß darauf war, mit mir Afrikaans zusprechen. So ganz verstehen wollte er nicht, dass mein Afrikaanswortschatz ungefähr meinem Polnisch das Wasser reichen kann und so half ich mir damit irgendwelche Platt-Afrikaans Brocken zu mixen, womit er überglücklich war.

Abends spielten wir dann ums Lagerfeuer Karten und aßen “Würstchen” und Oscypek. Leider wollte mir keiner polnische Lagerfeuersongs beibringen, doch ich lernte ein paar witzige Zungenbrecher.

Mittwochfrüh wurden wir von heftigen Regengüssen überrascht, so das die ursprünglich geplante Wanderung ausfiel und wir spontan nach Krakau fuhren. Für mich bewahrheitete sich damit ein wenig mein Glaube in abergläubische Bräuche, denn bei unserem Ausflug am Samstag warf ich einen Grosz in der Kirche in ein Gitter. Laut Aberglaube bewirkt es, dass man bald wieder nach Krakau zurück kommen wird. Das es allerdings so schnell gehen wird, hätte ich nicht gedacht. Das Wetter hatte sich gebessert und wir verbrachten den Nachmittag in der Stadt. Ich schaffte es mich für ein paar Stunden von dem Rest der Truppe abzukuppeln und erstand ein super weiches Schaffell, (so eins wie das auf dem ich als Baby geschlafen habe), das jetzt mein Bett ganz kuschelig macht. Auf dem Rückweg schenkte mir die liebe Aga (die Englishlehrerin) ganz tolle Lebkuchen, die sie mir mitgebracht hatte und so sitze ich jetzt eingekuschelt in mein neues Fell, eine Tasse Yogi Tee in der Hand und Lebkuchen in meiner Wohnung, freue mich auf morgen und schicke euch allen ganz liebe Grüße, wo auch immer ihr euch grade in der Welt befindet.

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Kommentare

Sebastian
18.12.08 20:50
Schöner Bericht! Ich fahre im Jan. 2009 mit meiner Klasse nach Zakopane worauf ich mich riesig freue, da ich ein Winterfan bin :-)

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