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Tagebücher

Weihnachten Zuhaus- Studniowka -Wieder angekommen!

13. Januar 2008

Am 20. Dezember machte ich mich mit Helge auf zurück nach Bremen. Die Fahrt war lang aber wir waren so ziemlich die letzten, die an der Grenze kontrolliert wurden, denn jetzt gehört Polen ja zur Schengenzone. Studniowka. Amazing! Studniowka. Amazing! In Bremen kamen wir verfrüht an, und so nahm ich gleich den Zug nach Blumental zu meiner lieben Tante Herta, bei der ich eine Nacht schlief und wo meine restliche Familie mich dann am nächsten Tag abholte. Auf dem Weg zu ihr verblüfften mich ausgesprochen freundliche Bremer, die mir anboten, den Koffer zu schleppen oder fragten ob ich klarkomme (ich muss wohl ziemlich verwirrt ausgesehen haben). Es war auf jeden Fall merkwürdig, auf einmal alles wieder lesen und verstehen zu können.

Da ich mindestens drei Stunden zu früh ankam, erwartete mich keine freudig strahlende Herta: Die war nämlich nicht da, aber ich kam natürlich trotzdem ins Haus. So holte ich sogleich etwas Schlaf in einem der tollen alten Federbetten nach und fühlte mich rund um wohl, als ich dann kurze Zeit später mit der ersten Tasse Ostfriesentee seit langem von Herta geweckt wurde.

Wir machten uns ne schöne Zeit, redeten viel und erzählten, tranken ausgiebigste Tee und ich machte einen langen Spaziergang an der Weser. Dann Freitagnachmittag kamen meine Eltern und meine Schwester aus Aurich. Die Wiedersehensfreude war groß! Riesen Kopernikus-Torte.Riesen Kopernikus-Torte.

Wieder zu Hause erwartete mich ein blitzblankes Haus, auf meinem Nachttisch standen Haribo Lakritze und alles war ganz schön vertraut und irgendwie wie immer. Wir hatten ruhige Weihnachtstage, an denen man so tolle Sachen wie Samstags morgens mit Schwesterchen den ganzen Vormittag vorm Fernseher, schokoladenweihnachtsmänner vertilgend, verbaseln konnte, oder sonntags im Bett mit der Familie Teetrinken. Weihnachten aßen wir lecker Raclette, es wurde gesungen und lange, lange ausgepackt.

Am ersten Weihnachtstag besuchten wir dann Herta und wurde von ihre lecker bekocht. Die Zeit zwischen den Jahren nutzte ich, Freunde zu treffen. Fast alle fanden sich zur Weihnachtszeit in Klein Aurich ein. Besonders meine Medizinstudentinnen hängten mich in ihren heißen Debatten über Spinalnerven ab, und ich bekam den grundsätzlichen Eindruck, dass Studieren ganz stressig sein kann.

Es war total spannend zu hören, wohin es alle verschlagen hat und einfach in seine alte Lieblingskneipe zu gehen und per Namen begrüßt zu werden. Oder durch die Stadt zu gehen und viele Leute zufällig zu treffen, genauso schön wie meine Familie und meine besten Freunde wieder zu treffen. Da merkt man doch, was man ein seinen besten Freunden hat und genießt besonders lange Skatabende, zusammen zu Nuevo essen zu gehen, Spaziergänge am Kanal, mal wieder so richtig zu telefonieren und jemanden in den Arm zu nehmen oder auch einfach mal den ganzen Tag abzuhängen. Spaziergang an der Weser. Spaziergang an der Weser. Silvester hatte ich den spontanen Einfall, allein mit Eva an die Küste zu fahren, doch das scheiterte am Wetter. So verbrachten wir zwei den Abend mit meiner Familie und es hätte nicht schöner sein können.

Jedes Familienmitglied kochte einen Gang, so gab es: Salat mit Kringelmöhren, garniert mit gerösteten Sesamkörnern (Pulla), Wokpfanne (Mama) mit gebackenem Fisch mit Pfifferlingen (Papa) und warmen Birneningwertaschen auf Schokoladensoufflet mit Ananaseis (von mir).

Wir spielten, ließen Tischbomben platzten und gossen Blei, und um 12 gab es natürlich ein schönes Feuerwerk. Am 2. Januar hatte ich einen etwas unangenehmen Termin beim Zahnarzt, bei dem ich mich O Schreck schon zwei Jahre nicht mehr blicken gelassen hatte. Wie erwartet musste er bohren und ich war froh, da wieder weg zu sein. Die Zeit verging schnell und Familien-Routine kehrte ein, was ein bisschen weniger schön war, aber auch lehrreich und ich freute mich schon wieder auf Polen, weil man dann doch merkt, dass sich sein Leben im Moment halt woanders abspielt. Trotzdem fiel es natürlich schwer sich zu verabschieden. Im schönen, grauen Ostfriesland. Im schönen, grauen Ostfriesland. Die Busfahrt war ziemlich aufregend, da nur circa sechs Leute im Bus waren und ich dann einschlief und auf einmal um 3 Uhr morgens im verschlossenen Bus aufwachte, alleine. Ich bekam erstmal nen Schreck, es war total nebelig und weit und breit kein Mensch zu sehen. Naja etwas mulmig war mir schon, aber nützte ja nix, also wartete ich ab und zum Glück nach zehn Minuten kamen die zwei Busfahrer mit Lunchpaketen und fuhren weiter.

Trotzdem ein bisschen komisch, so ganz alleine in so nem großen Bus. Um 6 Uhr morgens musste ich dann in einen kleinen Bus umsteigen und wir fuhren mit einer Ratterkiste, gleich so ner Uralt Zapfsäule, bei der man dem Ziffernblatt gut zusprechen muss damit es sich dreht.

So war ich kaum wieder in Polen und wieder mitten drin im Abenteuer.

Der erste Tag verging mit Wohnung Putzen, Einkaufen und Schlafen und am Freitagabend fuhr ich zu Eka (eine Freiwillige aus Georgien), die eine Abschiedsparty in Wykowice schmiss: Es waren immens viele Leute da und es war richtig lustig.

Am Samstag wurde richtig schick. Ich ging nämlich auf die „Studniowka“, so was wie der Abiturball bei uns, mit Elspeth als Begleitung. Und man kann nur sagen, die Polen wissen wirklich wie man ne Party schmeißt. Es fand in der Schule statt, alles war mit Luftballons geschmückt, eine Life Band war engagiert, es gab einen schönen traditionellen Tanz, ein Dinner, eine riesen Torte mit Kopernikus drauf, Feuerspucker, Salsatanz-Vorführung und keine langweiligen Reden. Sogar die Lehrer gingen vielleicht ab, es wurde ununterbrochen getanzt, zu DJ Bobo, Alicia Keys und allem Anderen. Einfach Wow. Wir waren hin und weg. Lustige Bekanntschaft machten wir mit Gregor, einem ehemaligen Deutschlehrer der Schule, von dem ich schon viele kuriose Dinge gehört hatte. So sagte ich peinlicherweise als er sich vorstellte: „Ach, du bist der kleine durchgedrehte Kerl, von dem alle reden.“ Ziemlich angemessen für einen Deutschlehrer, ich weiß (Aber er war super locker und witzig und wir amüsierten uns alle gut).

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