Vel´ka noc
Hallöchen allerseits!
Ich hab ja lange nichts von mir hören lassen. Das liegt einerseits daran, dass ich in der letzten Woche für fünf Tage in Budapest war (wat ne schöne Stadt, ich hab gemerkt, wie sehr ich die Großstadt und vor allem Berlin vermisse!) und andererseits daran, dass hier nicht viel los ist im kleinen Bezovce. In Budapest ist nichts besonders aufregendes passiert, wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter und haben einfach nur alles genossen. Die Stadtspaziergänge, die freundlichen Menschen (ein Traum!) und einfach mal wieder etwas anderes zu sehen, andere Häuser, andere Menschen, anderes Essen. Yeah, wir waren Chinesisch essen! Das ist hier in unserer näheren Umgebung nahezu unmöglich!
Aber jetzt habe ich endlich mal wieder etwas zu schreiben, und zwar über das Osterfest in der Slowakei. Dieses Ereignis ist hier noch größer und wichtiger als Weihnachten, allein schon wegen der katholischen Bedeutung, die Auferstehung von Jesus usw. und wird auch dementsprechend gefeiert. Mit gaaaanz viel Alkohol natürlich! Aber dazu später mehr.
Fleisch
Erst einmal geht es schon vor dem Gründonnerstag los mit dem Essen-Vorbereiten, zumindest hat Maja schon wie wild angefangen zu kochen, janz viel Fleisch versteht sich. Am Gründonnerstag sind dann schon Ferien für die Kinder, Erwachsene müssen aber noch arbeiten und Katholiken dürfen ab heute bis zum Samstag keinen Alkohol mehr trinken (was für eine Qual für Julo und seinen Bruder Marek). Am Karfreitag wird dann gefastet, das heißt, nur eine Mahlzeit am Tag und kein Fleisch den ganzen Tag. Das ist wirklich schlimm für die Slowaken, wie man sich vorstellen kann.
Am Freitag haben Sandra und ich uns in die Kirche begeben, da Julo sagte, er würde singen. Ich verspreche Euch, das war das letzte Mal, dass ich in diese Kirche gegangen bin. Die ganze Prozedur ging anderthalb Stunden und länger (Sandra und ich haben sobald es ging, sprich nach anderthalben Stunde, die Fliege gemacht)! Am Anfang ging es eine halbe Stunde nur auf und ab, sprich aufstehen, hinknien, aufstehen, hinknien, aufstehen, hinknien... ein wahrer Betsport. Dann kam die Singvorführung: Drei Männer haben nahezu die ganze Geschichte des Christentums singend wiedergegeben, darunter Julo, der Sandra an Benjamin Blümchen erinnert hat.
Oh man, mussten wir uns das Lachen verkneifen. Und alles war so angespannt, was die Sache natürlich nicht einfacher macht, nicht laut losprusten zu müssen. Aber so viel Anstand hatten wir dann doch noch. Na ja, schließlich gab es noch eine Endlosrede vom Pfarrer, und die Aufsteh- und Hinknieh-Prozedur hat sich zum zweiten Mal wiederholt. Was waren wir froh, endlich aus dieser Kirche herauszukommen! Und endlich losprusten zu dürfen.
Törooooooooo!
Kurze Verschnaufpause
Abends ging es mal wieder saufen, mit Robo und Petjo, der glücklicherweise ein Auto hat, dies auch fahren kann und zwar bis nach Michalovce. Anstatt sich dort aber mal in eine nette Cocktailbar zu setzen, landeten wir doch wieder in irgendeinem Pub mit Kicker. Viele andere Möglichkeiten gibt es leider auch nicht, außer besagter Cocktailbar, die um 0 Uhr schließt. Michalovce ist die Partystadt schlechthin, sag ich Euch. Aber eine kleine Abwechslung war es trotzdem mal. Anderer Pub, anderer Kicker, anderes Bier. Adrenalin durchströmte vor lauter Aufregung meinen Körper! Hahaha und Törooooooo!
Da uns die Vorstellung, ganz Ostern lang vier Tage in Bezovce festzustecken, überhaupt nicht gefiel, wollten Sandra und ich am Samstag unbedingt irgendwo hinfahren. Pustekuchen sag ich da nur! Der einzige Bus fährt um 12 Uhr. Um nach Medzilaborce zu kommen, wo es ein Andy-Warhol-Museum gibt, benötigt man mit dem Auto vielleicht zwei Stunden. Mit dem Bus und dreimal umsteigen sind es viereinhalb. Und jetzt ratet mal, wann das Museum schließt... genau! Um 16 Uhr! Und eine Möglichkeit, dann überhaupt noch nach Hause zu kommen (am selben Tag), gibt es natürlich auch nicht.
Viele andere Sachen, die man hier in der Umgebung im Winter machen kann, sind ebenfalls nicht vorhanden. Wir dachten uns, Kino in Michalovce wäre ja auch ganz nett. Hatte auch geschlossen. Sind ja Osterferien.
Wir hatten echt Glück, dass uns eine Freiwillige, die gerade ihren EFD in Lettland macht und zu Ostern mit ihrem lettischen Freund zu Besuch war, uns, obwohl sie uns gar nicht kennt, gefragt hat, ob wir mit nach Kosice kommen wollen. Dort wäre ein Fußballspiel, aber sie könnten uns auch irgendwo in der Stadt absetzen und danach wieder abholen. Was hieß das für uns? SHOPPEN! Ich glaube, ich hab mich noch nie im Leben so sehr gefreut, in einem Shoppingcenter, in dem es Orsay und New Yorker gibt, zu sein, und einkaufen zu gehen.
Obwohl ich das ja in Berlin auch nicht so häufig mache. Und auch nicht so viel gekauft habe. Eine weiße Hose darf ich jetzt mein eigen nennen. :-) Ich als Tollpatsch und Kleckerliese Nummer Eins werde sie wahrscheinlich nur einmal anziehen können, dann muss sie in die Wäsche, und ich habe mir doch tatsächlich gleich am ersten Tag Kaffee darüber geschüttet... Aber sexy ist sie trotzdem!
Nun gut, weiter geht’s im Osterprogramm. Ordentlich die Birne weggekippt haben sich Julo, Marek (nachdem sie Samstagabend endlich wieder trinken durften) und die anderen dann abends, aber diesmal so richtig. Für die ist Ostern wohl auch das Highlight schlechthin. Für mich war es nicht so günstig, denn Sonntagfrüh wollten Sandra und ich in die Kirche (ja ja ich weiß, aber diesmal ging es nur 15 Minuten und das wussten wir vorher), ich bin sehr spät nach Haus, nicht hochgekommen, als mein Wecker um 6 klingelte, bis Sandra total wütend in mein Zimmer kam, ich aufsprang und mit einem noch ziemlich hohen Pegel in die Kirche ging, damit der Pfarrer Weihwasser und -rauch über das von Maja so liebevoll zubereitete Essen spritzen und sprühen konnte.
Erst danach darf man es essen. Das ist der Brauch, ich glaub für alle Religionen und Nichtreligionen (hey, super Wort). Danach fand ein sehr feierliches Frühstück statt, die ganze Familie saß an einem Tisch (sonst wird so gut wie nie zusammen gegessen) und es gab schon zum Frühstück Wein. Oh Gott, dachte ich nur, und habe nur Maja zuliebe ein kleines Gläschen getrunken. Auf jeden Fall aber das letzte für diesen Tag. Auch wenn die Slowaken, die wir später besucht haben (Verwandte von Maja und Stefan), super eingeschnappt waren, wenn wir zu Bier und Schnaps Nein gesagt haben.
So etwas Unverschämtes, in Deutschland ist es selbstverständlich, dass es Leute gibt, die keinen Alkohol trinken. Aber das kennen die hier wohl nicht. Trotzdem finde ich, dass sie das akzeptieren müssen. Sie wissen doch, dass wir aus einem anderen Land mit anderer Kultur kommen (bei uns wird zwar auch Alkohol getrunken, aber noch lange nicht so viel wie hier und wie gesagt, akzeptiert man es bei uns, wenn jemand lieber trocken bleibt). Dreist find ich das. Aber echt, ey! :-)
Am Abend fand schon wieder ne Party statt. Wir waren diesmal im Klub und die Freiwilligen haben schon wieder viel zu viel gesoffen. Ich konnte und wollte an diesem Tag absolut nichts mehr trinken, und es war trotzdem ein super lustiger Abend. Haben getanzt und rumgespastet. Ich hab mal wieder gemerkt, wie viel Spaß man auch ohne Alkohol haben kann (hey, nicht lachen, ich weiß wie blöd das klingt). War aber wirklich so. ;-)
Ich hoffe, ich überanstrenge Euch nicht mit den vielen Wörtern, Sätzen und Absätzen, aber vom Ostermontag muss ich jetzt noch berichten. Damit die Mädchen und Frauen das ganze Jahr frisch bleiben, dürfen die Jungs und Männer sie mit Wasser bespritzen, je nach Belieben auch überschütten. Klar macht Zweiteres mehr Spaß. Los ging es am Morgen mit einem Glas voll kaltem Wasser von Stefan. Ach so, man muss den Männern dafür auch noch etwas geben. Den kleinen Jungs Schokolade oder Geld und den Männern, was wohl, Wein, Bier oder Schnaps. Und man darf sich nicht wehren. Das ist die Tradition.
Batsch!
Am Vormittag haben dann ganz viele Kinder (meist Gypsis) geklingelt und aus einem kleinen Fläschchen nicht Wasser, sondern Parfüm gesprüht. Sehr geil, hat ja auch gar nicht gestunken. Da wäre mir Wasser doch lieber gewesen. Aber es verlief eigentlich alles ganz ruhig, bis es mittags klingelte, die ganzen Jungs in echt schicken Anzügen vor der Tür standen, uns herausgezerrt haben und einen riesigen Eimer Wasser über uns schütteten. Gut, wir hatten damit gerechnet, aber es ist schon ein leicht demütigendes Gefühl. Die armen Mädels, die das jedes Jahr durchmachen müssen.
Netterweise war das Wasser nicht kalt, sondern warm. Wir haben uns dann umgezogen, den Jungs Alkohol gegeben, dann klingelt es nochmal, Maroz, der bis jetzt gefehlt hatte, kam und zerrte uns abermals unter die Dusche. Schön, wieder alles klitschnass und wieder umziehen. Eine Anstrengung, aber insgesamt doch ganz lustig. Ein paar Spritzer folgten den Tag lang noch von den verschiedensten Männern.
Immer rauf da, bin ja auch noch gar nicht nass
Insgesamt mag ich Ostern zu Hause natürlich lieber, allein schon weil man dort mit seiner Familie zusammen ist und das bedeutet einem einfach viel, Tradition hin oder her. Obwohl ich das echt gut finde, dass die Slowaken ihre Traditionen hier bewahren, auch wenn die Mädchen den Ostermontag jedes Jahr wieder hassen. Verständlicherweise. Scheint in meinen Augen auch ein bisschen frauenfeindlich, aber hier die Emanzipation zu fordern und damit die Tradition zu zerstören kommt wohl auch ein bisschen makaber.
Und allzu diskriminierend ist es auch nicht, da sich die Frauen am Dienstag rächen dürfen. So wie wir es eben an Julo getan haben. Wir stießen die Tür auf als er kam und: Batsch! Voll ins Gesicht. Gott war der sauer. Jetzt versteh ich auch, wie viel Spaß das macht. Haha und Törooooooooooo!
Und nochmal, weil's so schön war...






Kommentare
Bisher gibt es noch keine Kommentare.