Neu? Meld dich an!
Tagebücher

Theater - Polnische Motivierungstaktik - und Deutsche Demotivation - auf in die Busse!

18. Oktober 2007

Dienstag

Heute fand das erste richtige Treffen der Theater-AG statt. Es lief eigentlich genau ab, wie jedes Aufwärmen, das ich sonst so kenne, außer, dass alles auf Polnisch war. Das war etwas schwierig, da eine Übung mit polnischen Kinderreimen gemacht wurde und mir stattdessen “Good Morning ” zugeteilt wurde. Sehr viel Spielraum ließ der nicht, aber ich bekam einen guten Einblick in die Experimentierfreude der Teilnehmer(innen). (Bis jetzt haben wir ein männliches Mitglied.)

Nachmittags traf ich mich mit Ania in der Burg und wir lernten weiter zusammen und erweiterten unseren Wortschatz. Es macht super Spaß für uns beide, zwischendurch wird gequatscht und ich glaube es bringt auch ein wenig was.

Am Mittwoch, bemerkte ich, dass das Niveau in meiner neunen Gruppe besser ist, als zuerst eingeschätzt, also muss ich ein wenig nacharbeiten, aber lerne hoffentlich auch schneller. Denn die Leute sind sehr interessant: ein Nigerianer, ein Marokkaner, ein Ägypter, zwei Deutsche und eine Britin, die keiner versteht, weil sie so einen scharfen Akzent hat. Ich glaube mittlerweile denkt sie, ich spreche gar kein Englisch, weil ich immer nachfragen musste.

Nachmittags wollte ich eigentlich in Ruhe Material für meine Arbeit lesen, doch kaum saß ich in meinem neuen Lieblingscafé, kam ein neuer Bekannter aus dem Kurs, “Helge“, vorbei und wir verquatschten die ganze Zeit. Sehr interessant find ich immer, von welchen Unterschieden die deutschen Studenten zu dem Studentendasein hier erzählen. Durchweg alle (ob Jura, Politikwissenschaften oder Englisch) sagen, dass das Niveau erheblich höher ist, Studenten im generellen motivierter und die Professoren motivierender. Zurückgeführt wird dies oft auf die andere Strukturierung des Lernens: Man hat selten riesige Vorlesungen, sondern eher Klassenverbände, die auch über einen längeren Zeitraum zusammen bleiben. Dementsprechend lernt man sich besser kennen, Diskussionen werden tiefer und heraufordernder: Es fällt auf, wenn man nichts tut und die Professoren bemühen sich, um eine persönliche Verbindung zu den Studenten. Kurz um den Studenten wird nicht nur von Zuhause aus vermittelt, dass das was sie machen wichtig und toll ist, sondern auch innerhalb der Uni wird es als wichtig gesehen sich anzustrengen, und es wird honoriert. Ich glaube das ist oft der Unterschied zu Deutschland. Bei uns ist Studieren nichts Besonderes mehr und oft heißt es “ah du studierst… da musste du aber noch so und soviel Praktika machen, um überhaupt ne Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben.” Außerdem sehen viele die Notwenigkeit nicht zu dieser oder jener Vorlesung zu gehen, weil man nicht das Gefühl hat, dass es wirklich wichtig ist. Zum Ausdruck kommt die andere Einstellung in Polen mit dem Eid, den alle Studenten hier am Anfang eines Semester ablegen müssen. Es ist ein Blatt Papier, das besagt, dass sie stolz sind an dieser Uni studieren zu dürfen, versprechen ihr Bestes zu geben etc. Jeder muss es unterschrieben und danach interessiert es keinen mehr, doch vielleicht fördert solch ein Ritual doch eine gewisse Einstellung?!

Ich plante dann schon im Bus meine Lektüre nachzuholen, doch an der Bushaltestelle traf ich Maryna, eine der Redheads. So lauschten wir zusammen einer komplett betrunkenen Frau, die halb über uns lehnte und bei jedem Stopp, halb auf uns fiel. Mir wurde fleißig übersetzt und ich beobachtete mit erstaunen, dass alle Polen um mich herum das total humorvoll nahmen, viele schmunzelten oder machten eine kleine Bemerkung zu der Frau, aber kein ängstliches oder peinlich angewidertes Wegschauen oder Tuscheln.

Typischer Straßenstand. Schuhe werden neben Kartoffeln und Blumen verkauft. Typischer Straßenstand. Schuhe werden neben Kartoffeln und Blumen verkauft.

Mir war schon von den anderen Studenten erzählt worden, dass sie immer auffällige, merkwürdige Leute in den Bussen sehen, aber mir war bisher nur aufgefallen, dass auffällig viele alte Leute sehr aktiv in den Alltag integriert sind. Viele der Straßenverkäufern, Shopbesitzer oder auch Flyerverteiler in der Strasse, sind jenseits 75. Man sieht oft wie eine Großmutter ihre Enkel zur Schule bringt oder abholt. Ich finde das deshalb sehr interessant

Hier Bus zu fahren und dann wirklich mal neben der superaufgetakelten Businessfrau mit rosa Stöckelschuhen und Glitzerkostüm, einer Studentin meines Alters oder auch neben einer alten Frau, die dir die Tasche auf den Bauch abstellt. Alle wollen nach Hause und so trifft sich POLEN in den Bussen.

Weitersagen:

Diesen Beitrag twittern!

Kommentare

Bisher gibt es noch keine Kommentare.

Dein Kommentar

Zum Schutz gegen Spam und Betrugsversuche setzen wir bei Gästen ein sogenanntes CAPTCHA ein. Gib also die beiden im Bild enthaltenen Worte oder die vorgelesenen Zahlen in das Eingabefeld ein, wenn du dich nicht registrieren oder einloggen möchtest.

Aufenthaltsort des Autors

48.177132862301086,16.36937141418457

Karte aller Benutzer anzeigen

Andere Beiträge des Autors

03.04.2008

Der letzte Monat

10.03.2008

Mid-Term-Meeting

30.01.2008

Ferien

16.01.2008

Kattowice

Beiträge im Bereich Tagebücher von Janaika jetzt als RSS-Feed abonnieren. Beiträge im Bereich Tagebücher von Janaika jetzt als RSS-Feed abonnieren.