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Tagebücher

Nachtrag: Monat Nr.10 bricht an

13. Juli 2009

Mal wieder mit etwas Verspätung und auch, wenn ich seit dem 7. Juli schon wieder zu Hause bin – hier mein letzter, in Irland verfasster, EVS-Bericht.

Einen Abschlussbericht werdet ihr euch wohl auch noch antun müssen ;)!

Thomastown, 3. Juli 2009

Wow, heute war mein letzter, richtiger Tag im Kindergarten. Kann das noch gar nicht richtig nachvollziehen. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass ich mich nächsten Dienstag einfach nur für einen kurzen "Heimaturlaub" in den Flieger setze und dann nach einer Weile wieder zurückkehre. Kindergarten, Stress und Gespräche über den Gang zur Toilette hin oder her – irgendwie gehört das jetzt zu mir...

Naja, bevor ich hier in meiner Sentimentalität völlig ausschweife, gibt es noch einiges zu berichten :)!

Mein Mai war, wie gesagt, sehr ausgefüllt. Irgendwie war ich jedes Wochenende mit irgendwelchen Rumreisereien, Besuchern etc. beschäftigt – zumal dann auch noch der Sommer ausgebrochen ist! (Man beachte, dass Irland in den letzten zwei Jahren nur verregnete, kalte "Sommer"-Monate hatte.)

a) Nachdem ich dann also aus Galway zurückgekehrt bin, hatte ich noch zwei sehr schöne Erlebnisse mit "meinen" beiden Musikgruppen.

Zunächst haben wir mit dem "Thomastown Youth Choir" bei der "Graduation Mess" in der örtlichen Secondary School gespielt. In Irland gibt es keine Unterscheidung zwischen Gymnasium, Realschule und Hauptschule, sodass jeder im Alter von 13-17/18 zur Secondary School geht. Die Messe war speziell für die Schüler gedacht, die die Schule Ende Mai nun mit dem "Leaving Certificate" (Abschluss-Zeugnis, ähnlich wie unser Abi) verlassen haben.

War schon irgendwie merkwürdig, dass es zu dem Zeitpunkt gerade mal ein Jahr her war, dass ich selber gerade mit den Prüfungen durch war... Jedenfalls waren wir mit dem gesamten Chor am nächsten Abend wieder in die Schule eingeladen, da der Pastor der Pfarrgemeinde alle Leute, die in der Kirche irgendwie involviert sind (Blumen-Frauen, Chöre, Kommunionhelfer etc.), zu einem großen Buffet eingeladen hat!

Oh man, den ganzen Abend über wurde Wein ausgeschenkt, Essen ausgeteilt und zur Krönung gab eine "Zwei-Mann-Band" (Keyboard und Gitarre) noch die übelste "Discofox-Schunkel-Musik" zum Besten. (JA, sogar ich habe getanzt!) Naja, in Deutschland hätte das überwiegend ältere Publikum wahrscheinlich angefangen zu schunkeln. In Irland hingegen greifen einige mutige Gäste aber selbst zum Mikro und fangen an zu singen – und das auch noch gut! (Ben, Hollie und einige andere aus dem Chor waren natürlich auch nicht scheu :)!)

Und anstatt dass die anderen Leute einfach nur wegsehen, die Sänger als Angeber darstellen oder sich "fremdschämen", wird applaudiert – ist ja schließlich ganz normal, dass man bei Feiern anfängt zu singen! (Würde in Deutschland, glaub ich, nicht so schnell passieren... ;)!)

Der Abend endete jedenfalls damit, dass wir "Über-18-jährigen" noch im Carrolls versackt sind und ich echt eine Menge Spaß + gute Unterhaltung hatte. Schade, dass der berühmte Knoten mal wieder erst zum Ende hin platzt.

Am nächsten Samstag (23. Mai) fand dann auch endlich das Abschluss-Konzert mit dem Kilkenny Youth Orchestra statt. Nachdem der Vorlauf in Galway mehr oder weniger gut über die Bühne gelaufen ist, war das Konzert in der St. Patric's Church eigentlich ganz in Ordnung.

Auch wenn wir seid Oktober eigentlich nur das Konzertprogramm einstudiert haben, hätte ich's mir noch ein bisschen besser erhofft. Das Ding ist aber auch, dass in Irland grundsätzlich alles und jeder mehr oder weniger ziemlich schnell gelobt wird – wohingegen ich denke, dass die Deutschen damit eher sparsamer sind, das Lob dann aber auch letztlich wirklich so meinen.

Naja, vielleicht bin ich in dieser Hinsicht noch viel zu "deutsch" oder einfach nur zu sehr Lena Stangenberg. Gefreut hat es mich jedenfalls, dass meine Mitbewohnerin Piroska im Publikum saß – welches überwiegend aus den Familien der anderen bestand.

Da mit Ende Mai auch schon das Schuljahr für die Schüler der Secondary Schools zu Ende ging (3 MONATE Sommerferien!), hieß es für einige Mitglieder, die ihren Schulabschluss in diesem Jahr gemacht haben, wegen Studium etc. auch Abschied vom Orchester zu nehmen.

Ein paar Mädels hatten daher kleine Abschiedsgeschenke organisiert, und ich war wirklich überrascht, als ich plötzlich auch ein Geschenk bekam: Ohrringe und Süßigkeiten! Wow, damit hatte ich echt gar nicht gerechnet!

Nach dem Konzert hieß es dann für mich auch zum ersten Mal in Irland Abschiednehmen. War schon merkwürdig, dass nun schon mein "Kapitel KYO" zu Ende war. Auch wenn ich im Orchester jetzt nicht gerade die dicksten Freundschaften geschlossen habe, war das KYO mit seinen Mitgliedern und den Samstagnachmittags-Proben (14-17 Uhr - niemals vor 14.30 Uhr angefangen) Teil meines EVS.

b) Mein Bankholiday-Wochenende (30. Mai-2.Juni)

Mit der letzten Woche im Mai ging auch das Schuljahr des Craft-Colleges in Thomastown zu Ende. Da meine Mitbewohnerin und Adoptiv-große-Schwester Steffi dort auch Studentin ist, durfte ich Donnerstag vor der großen Ausstellung (später mehr) mit zum "End of the year"-Barbecue des Colleges.

Es war wirklich genial, bei strahlendem Sonnenschein im Vorhof der alten Wassermühle, die jetzt das College beherbergt, noch mal die Leute zu treffen, die in den letzten Monaten zu meinen Freunden geworden sind. Gerade mit Steffi, Kerstin, aber auch mit Debbie, Melissa und Dearbhla, hatte ich während meines EVS eine ganze Menge zu tun. Und da mit dem Schuljahresende die meisten Students auch wieder in die Heimat gedüst sind, war es schön, noch mal alle zu sehen.

Am Freitag war dann die Ausstellungs-Eröffnung im College, in der die Absolventen des zweijährigen Craft-Kurses ihre Kunstwerke, die sie in den letzten zwei Jahren hergestellt haben, zur Schau stellten.

Für mich war es wirklich beeindruckend, was Menschen mit ihren Händen und ein wenig Phantasie fabrizieren können. (Ist vor allen Dingen eine coole Sache, die Künstler persönlich zu kennen *g*.) Die Ausstellungsstücke reichten von Töpfer-, Metall-, Batik- bis hin zu Webarbeiten. Quasi alles, was das Kunsthandwerk zu bieten hat.

Mit mir bei der Ausstellung war übrigens auch die "Rückkehrerin" Jana, die so viel Heimweh nach ihrer Farm&Gastfamilie in Irland hatte, dass sie sich entschied, für vier weitere Monate auf den Bauernhof zurück zu kehren.

Ja, und während in Thomastown für die nächsten Tage sommersonnige Temperaturen bis zu 30 Grad herrschten, und mit dem "Happy Valley Festival" von Samstag bis Montag in allen Pubs Live-Musik gespielt wurde, bin ich dem Treiben zwar nicht entflohen, aber meine Alternative für das lange Wochenende war auch nicht von schlechten Eltern: EVS-Besuch bei der Anja in Turin!

Anja und ich hatten uns hier über youthreporter kennen gelernt, uns im letzten Jahr während meines Praktikums in Hannover getroffen und es doch auch tatsächlich ins Auge gefasst, uns mal gegenseitig zu besuchen. Okay, mit dem Irland-Besuch hat’s nicht ganz geklappt, aber da der erste Montag im Juni eine Art gesetzlicher Feiertag in Irland ist, habe ich mir gleich den Dienstag darauf vom KiGa frei genommen und hatte somit "mal wieder" ein langes Wochenende.

So ging es für mich am Samstag, 30. Mai, gegen Mittag mit dem Bus nach Dublin zum Flughafen. Auf der Fahrt stieg überraschenderweise plötzlich jemand ein, den ich sogar noch kannte: Pierre, ein französischer EVS den ich auf meinen Seminaren kennen gelernt habe, und für den sogar schon der Heimflug anstand.

War schon merkwürdig, als ich feststellen musste, dass meine nächste Busfahrt zum Flughafen schon in 4 Wochen sein würde – und es dann für mich mein Heimflug und das Ende meines EVS sein wird...

Naja, jedenfalls war es schön, dass ich während der Busfahrt und am Flughafen noch einen guten Gesprächspartner hatte, und nach einem schönen Flug mit meiner "Lieblings-Airline" Ryanair in Bergamo zu landen.

Bis ich dann letztlich bei Anja in Turin angekommen war – von Bergamo nach Mailand, Zug nach Turin, dort noch mal mit dem Bus –, war es dann zwar auch schon weit nach Mitternacht, aber trotzdem hatte ich zwei sehr schöne Tage in der nord-italienischen Stadt.

Ganz anders als ich, wohnte Anja da schon in einer etwas größeren Stadt (ja, Thomastown ist eine Stadt!), lebte und arbeitete zusammen mit anderen Freiwilligen, und kannte auch eine ganze Menge an einheimischen Jugendlichen.

Auch wenn ich an den beiden Tagen nicht wirklich was von der Innenstadt gesehen habe, konnte ich dennoch einen genialen Blick auf Turin werfen, da wir mittels einer alten Zahnradbahn auf den Berg gefahren sind.

Zudem durfte ich in den Genuss von "Pizza Gogo" kommen, war zusammen mit Anja und vielen anderen EVSlern auf der Abschiedsparty eines EVSlers und letztlich haben wir beide auch noch das deutsche Brauchtum gepflegt, indem wir uns schön einen Tatort reingezogen haben ;).

DANKE Anja!

Und für alle anderen: Italien ist toll :)!

c) Kindergarten und meine letzten Wochen in Thomastown

Als ich dann Dienstagnachmittag völlig übermüdet wieder in Dublin gelandet war, stand für mich im Kindergarten für die nächsten 1,5 Wochen eine besondere Herausforderung an: Lucia, unsere einzige Erzieherin und somit auch einzige Arbeitskollegin, war für zwei Wochen in den Urlaub gefahren, und wurde – ein Glück – von Kitty, einer ebenfalls qualifizierten Erzieherin, vertreten.

Ich hatte vorher schon etwas Bammel, auch wenn Kitty im Vorfeld schon einige Vormittage im Kindergarten gewesen war. Dennoch war es ja diesmal ich, die die Abläufe und selbst die Kinder etwas besser kannte.

Aber meine Sorgen und Gedanke waren natürlich mal wieder viel zu überflüssig. Kitty war eine super Vertretung, die sofort das Vertrauen der Kinder gewinnen konnte, und mit der es super viel Spaß machte zu arbeiten.

Klar war/ist Lucia eine super Erzieherin bzw. die Seele des Kindergartens, doch hatte ich mit Kitty wieder etwas, was mir mit Lucia in den letzten Monaten gefehlt hatte: Wir haben wirklich zusammen gearbeitet, uns ausgetauscht und uns gegenseitig nach Rat gefragt. Ich hatte so gar nicht das Gefühl, einfach nur 'ne zweite Aufsichtsperson zu sein.

Kitty fragte mich oft nach meiner Meinung und war auch irgendwie froh, dass jemand da war, der sich mit der täglichen Routine auskannte. Ich hingegen war glücklich, dass eine qualifizierte Kraft da war, die die Kinder in Schach und bei Laune halten konnte – und so waren wir ein gutes Team und die Kinder haben selten nach Lucia gefragt.

Ansonsten waren die Wochenenden im Juni für mich eher ruhig. Nach den ganzen Besuchen und der Reiserei im Mai waren ich und mein Geldbeutel ganz froh, die letzten Wochen im trauten Thomastown zu verbringen.

So hab' ich z. B. mal wieder eine Nacht auf der Farm von Jana verbracht, hab' noch einmal Christina in Waterford besucht und bin sogar von einem Mädchen aus dem Kindergarten zum 5. Geburtstag eingeladen gewesen – und da gab's sogar eine Hüpfburg :).

Anfang Juni war für mich auch schon der erste Abschied angesagt: Melissa ist zusammen mit ihrem deutschen Freund Dete zurück in ihr Heimatland Kanada gegangen. Beide hatte ich über meine Mitbewohnerin Piroska kennen gelernt, und gerade Melissa hatte mir im letzten September sehr damit geholfen, mein Heimweh zu überwinden :).

Mit ihrer Abreise wurde mir dann auch wohl endgültig bewusst, dass mein Leben in Thomastown gerade damit anfing, sich in alle Himmelsrichtungen zu zerstreuen. Da für die Schüler der Secondary-Schools (13-18-jährige) sowie für die College-Studenten schon die DREI-monatigen Sommerferien anstanden, waren viele Freunde & Bekannte vom College schon in die Heimat aufgebrochen oder mit ihren Ferienjobs beschäftigt...

So war meine Mitbewohnerin Steffi für zwei Wochen auf der Bio-Farm ihres Vaters, da dieser im Urlaub war. Kerstin und ich haben es uns natürlich nicht nehmen lassen, und sind an einem Wochenende zu Steffi nach Cahir (County Tipperary) gefahren.

Oh man, das waren zwei geniale Tage :). Hühner füttern (ja, ich!), Steffi auf dem Markt besuchen, Sightseeing in Cahir – mit meinen beiden "Großen" hatte ich schon Spaß. Schon genial, dass meine beiden besten Freundinnen in Irland zwei über 30jährige Deutsche geworden sind. Möchte die beiden echt nicht missen.

So, mein großer Abschlussbericht kommt dann, wenn ich wieder in deutschen Landen bin. Kaum zu glauben, dass das schon so bald ist!

Liebe Grüße,

Lena

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Kommentare

19.07.09 18:35
PIZZA GOGO FOREVER!!!!

ich fands auch sehr sehr cool und hab mich riesig über deinen besuch gefreut :)
Linda
16.07.09 18:02
Hi Lena,

oh man jetzt ist dein EVs also auch schon vorbei. Lässt mich nur wieder daran denken. dass es inzwischen fast ein jahr her ist, dass ich die fähre nach hause bestiegen hab.

ich hoffe dir fällt die rückkehr nicht allzu schwer und vll. sehn wie uns ja mal bei den europeers.

Cheers Linda

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