Mittsommer in Finnland
Das war er also: Der längste Tag meines Lebens. Der 23. Juni, Mittsommernacht oder auch Juhanus genannt. Ich schätze, dass 70 Prozent aller Finnen Mittsommernacht feiern, indem sie mit der Absicht in den Wald fahren, den längsten Tag des Jahres draußen in der Natur zu erleben. Sehr beliebt ist auch ein Ausflug zum nächstgelegenen See zu einer Paddelbootstour. Wie Natur verbunden sind die Finnen, denkt man da.
In der Realität sieht das ganze allerdings anders aus. Um 22 Uhr sind alle schon so betrunken, dass da nicht mehr viel läuft mit Sonnenaufgang anschauen. Es geht nur noch darum, es zu schaffen, trotz drei Promille beim Pinkeln vom Boot ins Wasser nicht gleich mit in den See zu fallen.
Zum Glück gibt es aber noch die anderen 30 Prozent der Finnen. Und ich habe das Glück, unter solchen zu leben. Folglich sah unser Mittsommerfest in Myllylähde anders aus.
Wir hatten die Eltern der Dörfler eingeladen um gemeinsam Juhanus zu feiern. Erst gab es ein Sommerkonzert und die Dörfler präsentierten ihre eingeprobten Lieder, am Klavier begleitet von Anna, unserer Gesangslehrerin.
Dann ging es nach draußen und ich wurde langsam hibbelig, weil es Zeit für die Zirkusvorstellung war, die Katja und ich mit den Kindern eingeprobt hatten. Die Erwachsenen machten sich übers Buffet her, eine Liveband spielte (ich habe festgestellt, dass ich für diese Art von Musik wohl doch noch etwas zu jung bin: ein Keyboarder, ein Gitarrist und eine Sängerin, alle so Mitte 50, schmetterten finnische Schlager). Ich suchte die Kinder zusammen und schickte Stoßgebete zum Himmel, damit es nicht zu regnen anfing. Doch genau das tat es.
Trampolinperformance von Daniel.
Vorbereitungen zum Feuer spucken. Eine halbe Stunde später hatten wir mehr Glück und unsere Show konnte beginnen: Trampolin springen mit Salto und allem drum und dran, dann Seillauf und zum Schluss Feuer spucken. Letzteres war etwas heikel, weil ich den Kindern verboten hatte, es auch nur irgendwem zu verraten, damit es eine Überraschung wird. Und ich wusste nicht, wie die teilweise chronisch besorgten Erwachsenen es aufnehmen würden, wenn sie sähen, dass ihre Kinder mit einer brennenden Fackel hantierten. Etwas fies war ich aber auch: Wir machten unheimlich viel Spektakel aus der Sache. Ich trug einen Eimer Wasser nach vorne, Katja tauchte Tücher ins Wasser und jedes Kind bekam ein feuchtes Kopftuch, als Schutz. Zusätzlich wurde ein weiterer Eimer mit Wasser aufgestellt, zur Sicherheit. Das ganze wirkte, untermalt mit spannender Musik, viel gefährlicher als es eigentlich war.
Zu meinem Erstaunen lief auch alles perfekt. Kein Wind, der sich plötzlich drehte, keine angekokelten Haare. Alle Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren spuckten wunderbare Feuerfontainen. Und die Eltern waren baff. Was will man mehr?









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