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Tagebücher

Mein Polen-Revival-Urlaub

04. Februar 2009

Zehn Monate sind nun fast vergangen seitdem ich meinem Kattowitz Papa gesagt habe und bin nun nach Zwischenstops in Vendig und Mexiko in Wien gelandet, wo ich zu allen Baba sagen muss.

In Wien studiere ich nun im zweiten Semester Psychologie und bin sehr glücklich mit allem.

Doch die ersten Semesterferien standen vor der Tür und mich zog es zurück nach Polen, zurück dahin wo das wirkliche Leben außerhalb der Schule begann. Also nahm ich am Sonntagmorgen den EC von Wien direkt nach Kattowitz wo meine liebe Freundin Elspeth mich abholte.

Es war total komisch, nicht nur zwischen uns fühlte es sich an, als wäre überhaupt keine Zeit vergangen, sondern die ganze Stadt schien stehen geblieben zu sein.

In den Shops waren die Artikel noch haargenau so angeordnet wie vor zehn Monaten, es saßen die gleichen Kassierinnen hinterm Tresen. In meinem Lieblingsrestaurant gab es noch immer dieselben Tagesangebote, ja sogar in der Fußgängerzone stand noch immer dasselbe  Regal mit klobigen Stiefeln wie immer. Ich glaube von denen ist seit Jahrzehnten keiner mehr verkauft worden.

Als ich nun so alle für mich bedeutsamen Plätze, wie die Schule in Bedzin, die Uni in Katto, Mein Dom Studenta in Sosnowiec, etc. ablief, wurde mir immer mehr klar, was ich heimlich schon immer gewusst hatte. Ich passe nicht in dieses Land. Was ich an Polen vermisst hatte, waren meine Freunde, und das Lebensgefühl des Europäischen Freiwilligendienstes - aber es war nicht Polen.

Nun fiel mir eigentlich immer nur eine Sache auf: Die Verschmutzung und Hässlichkeit der Gebäude… die natürlich, dass muss ich eingestehen, im Vergleich zu meinem jetzigen Wohnort Wien eklatant auffallen musste. Aber auch die Tatsache , dass ich mir gleich wieder meine ersten blauen Flecke in der Tram holte (weil diese wie immer total überfüllt war und der rasante Fahrstil gepaart mit den Schlaglöchern ihr übriges dazu beitrugen), brachte mich dieses Mal nicht mehr zum Schmunzeln sondern ärgerte mich. Auch, dass mein Bus natürlich  mal wieder 20 Minuten Verspätung hatte und ich im Regen blöd rumstand, weil das Fahrhäuschen weggeweht war, ärgerte mich einfach nur noch.

Es schien so, als ob die Positiv-Brille, die ich das Jahr über anscheinend in Polen aufhatte, der Realität gewichen war und ich nun verstehen konnte, was meine Eltern, (die mich nach einem halben Jahr besucht hatten)meinten, als sie sagten, dass alles so dreckig und trostlos aussah und die Menschen bös gucken. Damals konnte ich es überhaupt nicht verstehen und habe mich wirklich gefragt, wie sie auf so etwas kommen.

Doch heute, gerade an diesem Morgen, verstehe ich es. Die Menschen in der Bahn sahen tatsächlich heruntergekommener aus, es roch nach Alkohol, manche hatten grob genähte Narben im Gesicht und generell herrschte eine angespannte Atmosphäre. Das angeregte Plabbern der Fahrgäste in Wien fehlte mir. Hier war alles still.

Während ich auf der Zugfahrt das Buch „Viva Polonia“ von Steffen Möller endlich mal zu Ende gelesen hatte, spukten mir nun seine Vergleiche zwischen der polnischen und deutschen Mentalität im Kopf herum. Schnell wurde mir klar, dass die norddeutsche Direktheit, mit der ich in Polen ständig aneckte, mir einfach viel zu lieb ist, als das ich das Positive in der polnischen Rumgemauschelerei sehen könnte und das mir ein Haufen durchgedrehter Individualisten tausend Mal lieber ist, als 1000 höflich nette Studenten, die ihre eigentliche Meinung, wenn überhaupt, nur am Küchentisch vertreten.

Mein Polenurlaub war interessant, weil ich glaube, dass man manche Sachen mit ein wenig Abstand ganz anders sieht und ganz klar habe ich in den zehn Monaten nach Polen dazu geneigt, alles zu verherrlichen. Diese Illusion ist mir nun genommen.

Polen ist Vergangenheit und das ist gut so. Ich nehme viele tolle Freunde, Sprachkenntnisse und Erfahrungen mit und sage Papa Polen, wahrscheinlich nicht bis ganz so bald.

Kommentare

Hanna Math­ia
14.02.12 15:20
Nach einem Jahr soooo richtg Nachtretten... Und das noch als Meinugsfreihet zu verschleiern. Das ist bestimmt ein sehr indiwidueler Charakterzug.
11.03.10 18:12
Ich glaube ihr solltet mal meine Beträge des jahres 2008 lesen um diesen Artikel richtig einordnen zu können.
Ich habe ihn geschrieben, über 1 Jahr nachdem ich meinen Aufenthalt in Polen beendet hatte, den ich übrigens sehr genossen hab und voll ins polnische Leben eingebunden war.

Es ging hier nicht darum, dass man in Kattwice oder sosnowiec nicht schöne plätze findet oder nette Menschen und positive aspekte sondern ich habe versucht zu schildern mit welchen Augen ich das ganze erlebt und gesehen habe mit einem Jahr Abstand.
@besentil: Hier herscht Meinungsfreiheit und dies ist mein persönlicher Erfahrungbericht wenn du eine sachliche objektive situationsanalyse lesen möchtest kauf dir nen Reiseführer.

@ beachte wiegesagt die einträge des jahres 2008 und du wirst sehen, dass ich durchaus ziemlich viele tolle seiten des lebens in polen beschrieben habe

@gast , Ich bin sehr viel durch Polen gereist udn kenne sehr verschiedene Seiten des Landes.
! Ich weiß nicht was dich dazu veranlasst hat aus meinen Zeilen einen Rückschluss von Kattwitz auf ganz POlen zu ziehen.
besenstil
24.02.09 19:12
ahhhhhhhhhh, was schreibst du denn da,
probleme mit alkohol und sauberkeit....
nein nein spaetestens hier muss man mit lesen sofort
aufhoeren, stop, versuchs noch mal, ein bisschen
ueberlegter vielleicht, dann lese ich auch den rest deines
kommentares, puh....
katharina
24.02.09 16:41
Ich glaube auch, dass Polen viel mehr ist als nur das, was du beschrieben hast. Ich war in Kattowice und ja - diese Stadt ist nicht sonderlich schön. Aber es gibt viele schöne Orte. Und natürlich, die Polen habeh Probleme - einige mit Alkohol, andere mit der Sauberkeit. Aber das Land hat auch einfach weniger Chancen gehabt und ist in den letzten 20 jahre nicht so weit gekommen wie Deutschland oder Österreich. Natürlich ist Polen ein bisschen so, wie es bei uns vor einigen Jahrzenten war (ein bisschen zu viel Mainstream, noch nicht alles verschönert etc.) aber mit seinen vielen kleinen Läden, der besonderen Höflichkeit und der schönen Landschaft hat es meiner Meinung nach auch einfach seinen Charm. Und das sage ich 2.5 Jahre nach Ende meines Freiwilligendienstes :-)
gast
05.02.09 13:50
Ich glaube du verwechselst "Polen" mit der Schlesischen Kohleregion, die zZ. mitten im Strukturwandel steckt. Kattowitz und Sosnowiec hat mit "Polen" so viel zu tun wie Wattenscheid oder Gelsenkirchen mit "Deutschland"...

Schade, daß du bzw. deine Eltern so etwas nicht erkennen und richtig einordnen kannst...

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