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Tagebücher

Lob der Familie

12. Januar 2010

Ich habe hier in Ungarn einiges dazu gelernt. Nicht nur neue Seiten habe ich an mir entdeckt, sondern hauptsächlich auch neue Erkenntnisse gewonnen. Dazu zählt mehr denn je, dass von Nichts Nichts kommt. Dazu zählt aber auch das Schätzen dessen was man hat. Seiner selbst und seiner Familie.

Die zwei Wochen über Weihnachten und Neujahr zu Hause haben mir wieder einmal gezeigt, was ich an meiner Familie und nicht zu letzt an meinen Freunden habe. Man lebt in und mit einer Familie. Man ist nie allein. Schon im nächsten Moment kann die Wohnungstür aufgehen und der brummende Bruder von der Schule heimkommen oder die Mutter mit dem schweren Einkaufskorb, die dich auffordert ihr zu helfen. Nirgendwo kann man gleichzeitig Gesellschaft und Zeit für sich haben, um z.B. zu lesen, zu schreiben, ohne dass es unhöflich wäre. Das nenne ich innere Ruhe.

In den letzten Monaten stand ich allzu oft unter innerem Druck. Um nicht allein zu sein, musste ich ständig nach Gesellschaft suchen. Das war sehr anstrengend, aber auch interessant, immerhin hatte ich es ständig mit mir fremden Menschen zu tun. Das war dann aber auch eine sehr einseitige Sache. Ich konnte nicht allein sein, konnte dann aber in der Gegenwart anderer auch nicht einfach einen Stift und ein Blatt Papier ziehen und Schreiben. Nicht gerade optimal für einen Menschen, der das Schreiben braucht wie die Luft zum Atmen. Ohne bin ich nur halb.

Meine Familie ist also mein Ruhepol. Mein absoluter Ruhepol, ich weiß, ich kann mich auf sie stützen, sie hält mich. So meine engsten Freunde und mein Freund. Auf die eine oder andere Phase des extremen Durchhängens reagierten sie mit einer überwältigenden Menge an E-Mails. Und damit meine ich nicht etwa Zwei-Satz-Mails. Nein, damit meine ich seitenlange E-Mails, in denen sie versuchten mir Mut zu machen und mich auf zu richten.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich diese Erfahrung niemals so radikal gemacht hätte, wäre ich nicht nach Ungarn gegangen. Ich kann nicht einfach ins Auto steigen und "mal kurz" nach Hause fahren. Aber obschon sie alle so weit weg sind und für so lange Zeit, als ich Zuhause war, war es als wäre ich nie weg gewesen. Sie sind da. Immer.

Ein weiser Mensch hat einmal gesagt: "Man weiß erst richtig zu schätzen, was man hat, wenn man es nicht mehr hat."

Dies hier soll eine kleine Liebeserklärung sein. =)

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