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Tagebücher

Kennenlernspielchen und Überraschungsbesuch.

20. September 2007

Donnerstag 20-09-07

Mein Tag begann damit, dass gegen neun Uhr heftig an meine Tür gepoltert wurde. Verschlafen öffnete ich und sah mich einem sympathisch aussehenden Mann mittleren Alters gegenüber. Mit Händen und Füssen gab er sich alle Mühe mir klar zu machen, was er wollte, doch ich verstand nur Bahnhof. Schließlich rauschte er entschuldigend an mir vorbei ins Bad, checkte irgendwas an der Heizung und zeigte mir dann wo ich unterschreiben musste. So ganz wohl war mir ja nicht dabei irgendwas zu unterschreiben, aber ne Wahl hatte ich auch nicht wirklich. Ich hielt noch kurz Ausschau nach Kleingedruckten, gab es aber nicht, in sofern blieb nur zu hoffen, dass ich nicht irgendeinen Quatsch unterschrieben habe. Ohne Sprache ist man ganz schön ausgeliefert.

Den Rest des Morgens machte ich mich daran, das erste Treffen des “Youth Debate Clubs” vorzubereiten. Da ich nicht so wirklich herausbekommen hatte, was von mir erwartet wurde, bereitete ich mich auf alles vor und entwarf, zum Glück, eine gesamte Stundenplanung. Diese interessant sowie witzig zu gestalten und gleichzeitig meine Vorstellungen der zukünftigen Zusammenarbeit rüberzubringen, stellte mich vor ungekannte Herausforderungen. So langsam kann ich begreifen, dass Lehrer wirklich keine leichte Aufgabe haben, die Balance zwischen progressiver Arbeit mit Spaß umzusetzen. ;) In der Schule, sprach ich meine Vorbereitung mit Ivonna der Leiterin durch, die war anscheinend so überzeugt, dass sie mich die erste Stunde vollkommen alleine führen ließ und bis auf weiteres ins Nebenzimmer verschwand.

Etwas überrumpelt fand ich mich vor einer Gruppe 17 bis 18 Jährigen wieder, die mich erwartungsvoll anschauten. Ich war wirklich froh, dass ich mir im Voraus schon recht viele Gedanken gemacht hatte, wie ich die Arbeit gerne gestalten würde, sodass das Treffen ziemlich erfolgreich verlief. Die Schüler (man klingt das erwachsen, wenn man sich nicht mehr dazu zählt), sprachen allesamt recht flüssiges Englisch, teilweise mit dem Anliegen es hier zu verbessern, insofern gab es kaum eine Sprachbarriere. Wir waren eine schöne Gruppe von zwölf Leuten. Sie waren sehr interessiert an mir und dem Projekt, motiviert und offen, auch als ich Themen wie Homosexualität ansprach. (In Polen ein ziemlich heikles Thema, im Moment.) Das Beste war: Sie machten voller Enthusiasmus meine vorbereiteten Theaterkennenlernspielchen mit. (Hier mal einen Dank an alle meine Theaterleiterinnen, die mich mit einem ziemlichen Repertoire ausgestattet haben, das mir jetzt zu Gute kommt.) So hatten wir wirklich einen schönen Auftakt und als ich dann noch von der Leiterin ein riesengroßes Lob bekam, verließ ich voller Ideen und beschwingt die Schule. Ich glaube die Arbeit ist wirklich das richtige für mich, es macht Spaß eine Gruppe zu leiten, Themen vorzubereiten und ich merke schon wie unterbewusst tausend Ideen für Diskussionsrunden, politische Debatten und interkulturelles Voneinanderlernen in mir rumsprudeln. Ich find das total toll, denn so kann ich auch eine Menge lernen. Nicht nur über die Themenbereiche, sondern ich werde denke ich auch meine Führungsqualitäten und das gemeinsame Erarbeiten in einer Gruppe austesten und verbessern.

Das Theaterprojekt werde ich nächsten Monat in Angriff nehmen und ein weiteres Ziel wird für mich sein polnisch zu erlernen. In sofern bin ich ziemlich zuversichtlich, dass meine Arbeit hier bereichernd und spaßig ist und ganz wichtig: dass ich den Leuten hier auch wirklich was geben kann. Denn an Extra-Aktivitäten mangelt es ziemlich an der Schule, die meisten Jugendlichen sind noch nie mit Theaterarbeit oder Diskussionsrunden in Berührung bekommen. (Politikunterricht gibt es nicht.) Das Gefühl nicht überflüssig zu sein, finde ich ganz wichtig, da ich mir im Moment noch ein wenig wie ein Gast vorkomme. Alle laden mich zu Ausflügen oder Essen ein und organisieren alles Mögliche und so hoffe ich diesem Engagement durch meine Arbeit auch gerecht zu werden. Morgen werde ich mit einer Schülergruppe eine ehemalige Synagoge restaurieren und abends Bowlen gehen. Euch allen ein wunderschönes Wochenende, denn nu is Sense, die Erste schöne Woche neigt sich dem ENDE zu.

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