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Tagebücher

Ganz normales Schulleben

11. Oktober 2007

Und wieder ist es Donnerstagnachmittag, was Nachmittagsaufsicht heißt. Wieder weiß ich nicht, was ich machen soll. Die Schüler sind beschäftigt und was Spannendes ist nicht. Schreib ich also von der letzten Woche.

Mit meiner Kontaktlehrerin hab ich jetzt ausgemacht, dass ich jeden Tag von neun Uhr (nicht von 11 Uhr, wie eigentlich geplant) bis 15 Uhr in der Schule bin. Das gefällt mir besser, zu Hause weiß ich eh nicht, was ich mit so viel Freizeit soll. Und von neun Uhr bis elf Uhr haben die Schüler hier ja Theoriepflichtunterricht. Da ist es auch interessant, zuzusehen. Bin nun jeden Tag in der selben Klasse. Eigentlich sind da sechs Schüler. Aber als ich Montag anfing, war einer krank, einer war von der Schule gegangen, weil er keine Lust mehr hatte (ist ja auch bisschen freiwillig hier) und einer wurde für zwei Tage in ’ne andere Klasse versetzt, weil er sich am Tag zuvor heftig mit einem aus seiner dieser Klasse geprügelt hatte. So zur Situationsentschärfung. So blieben also drei Schüler, betreut von zwei Lehrern und mir. An so eine eins zu eins Betreuung hab ich mich ja schon fast gewöhnt. Und fast hab ich den Grund auch eingesehen. Denn von diesen drei Schülern hat mal einer das gemacht, was er sollte. Lesen und rechnen. Die anderen beiden verließen abwechselnd, manchmal auch zusammen, das Klassenzimmer, kamen wieder, unterhielten sich über Gott und die Welt und freuten sich offenbar sehr darüber, dass beide Lehrer ebenso abwechselnd hinter ihnen herliefen. Echt. Wie im Kindergarten. (Damit beleidige ich glaub ich den Kindergarten.) Die sind 15! Einer raus, einer rein. Hatten absolut keine Lust auf Unterricht. Na, einer ließ sich nach 20 Minuten doch überreden (nachdem ihm mehrere Aufgaben und Fächer angeboten wurden – „Was möchtest du machen? Dieses oder jenes, jetzt 10 Minuten Unterricht, dann 10 Minuten Pause"...), ein bisschen zu rechnen. Dann Pause, eigentlich Fachwechsel, aber natürlich gleiche Situation wiederholt. Am Ende überlegten sich dann die Lehrer, wie in den nächsten Wochen weiterer Verfahren werden soll. Kamen nicht so richtig zu einem Schluss.

Nächster Tag, wieder Theorieeinheit. Wieder Schüler raus und rein in den Raum. Wieder fragen die Lehrer, was die Schüler lernen wollen, wieder keine Antwort. Aber nach zehn Minuten konnte doch ein Tafelbild erstellt werden, in dem beide Schüler eintrugen, über welche Themen sie in den nächsten Wochen und Stunden "unterrichtet" werden wollen. Zum Beispiel Papierfliegerbau (!), Werbung, Schönschrift, freies Lesen, Mathe am PC (Computer sind immer sehr wichtig) oder was über die Cheops-Pyramide. Ich war doch erstaunt, dass sie sich dazu überreden ließen, konstruktive Vorschläge zu machen. Nun bleibt abzuwarten, ob das Interesse dann auch bleibt, wenn Aufgaben dafür erstellt wurden. Sehr individueller Unterricht, wirklich. Aber tatsächlich, am nächsten Tag brachte der Lehrer ein Buch über Papierfliegerbau und seine Geschichte mit, dazu Aufgaben (lesen und Textverständnis) und der Schüler beschäftigt sich damit. Hätte ich nicht gedacht. Dafür verließ der andere Schüler den Klassenraum fünf Minuten nach Unterrichtsbeginn und ward bis zum Stundenende nicht mehr gesehen. Aber komisch, diesmal ging kein Lehrer nach ihm schauen. Es bleibt spannend in den nächsten Stunden. Aber, ich weiß schon mal, dass Lehrer so gar kein Job für mich ist. Schon gar nicht mit solchen Schülern. Da fehlen mir entschieden Geduld und Verständnis.

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