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Tagebücher

Europa, die Idee von Frieden und Zusammenhalt

14. Januar 2010

Im Zuge meines Europäischen Freiwilligendienstes werde ich ständig mit Europa konfrontiert und mache mir daher auch meine eigenen Gedanken dazu. Das Problem dabei ist, dass der Begriff der "europäischen Idee" zum einen ein ziemlich großer Begriff ist und zum anderen – weil er so groß und bedeutend ist – wird um ihn sehr häufig mit noch größeren, leeren Worten herumgeredet (wer sich schon einmal eine Studienbeschreibung diverser deutscher Universitäten angetan hat, der weiß, wovon ich spreche). So bleibt es wohl jedem selber überlassen entweder selbst darüber nachzudenken oder zu versuchen die unglaublichen Wortkonstruktionen mancher Politiker zu entschlüsseln.

Was Europa für mich bedeutet? Der Versuch einer Antwort.

Ganz nüchtern betrachtet, ist die Europäische Union zunächst einmal das Produkt der Jahrhunderte langen Kriege in Europa. Auf die Montanunion zwischen Frankreich und Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg folgte schließlich die Europäische Wirtschaftgemeinschaft (die Römischen Verträge 1957) und schließlich mit dem Vertrag von Maastricht im Jahr 1992 wurde die Europäische Union begründet. Sie steht vor allem für zwei Dinge: Frieden und Zusammenarbeit.

Wenn ich über Dinge wie die EU nachdenke, dann passiert es mir manchmal – vor allem unter Dusche -, dass ich Fäden sehr weit spinne, so kam mir ein Vergleich mit der USA in den Sinn. Rein optisch betrachtet besteht auch die EU wie die USA aus unglaublich vielen Völkern und Ethnien. Das einzige, was die EU von den USA unterscheidet, ist ihre Politik (natürlich nicht überall). Dieser Unterschied wiederum beruht darauf, dass die Union einen ganz essentiellen Charakterzug vermisst: Das Zusammengehörigkeitsgefühl ihrer Bewohner.

Um nur ein Beispiel zu nennen, kurz bevor ich zurück nach Ungarn gereist bin, um meinen Freiwilligendienst wieder aufzunehmen, besuchte ich meine Oma, die im Moment im  Krankenhaus ist. Als ich gegenüber einer Bekannten meinen Dienst erwähnte, rümpfte sie nur die Nase und raunte "Diese Ungarn!" (ich hätte ihr für diese Äußerung am liebsten den Kopf abgerissen!)... Soll heißen, dass Europa noch nicht stark genug zusammengewachsen ist. Wir, als Europäer, haben gemeinsam noch keine so furchtbare Zeit wie den zweiten Weltkrieg erlebt, wie es die Staaten der Vereinigten Staaten von Amerika taten. Ob wir jemals ein solches "Wir sind Wir" - Gefühl entwickeln werden? Das weiß allein die Zeit.

Eines ist aber sehr sicher, dass letztendlich auch die USA ihren Ursprung in der Alten Welt hat. Schließlich war das Alte Europa so etwas wie ein Versuchslabor verschiedener Staatsformen, Verfassungen, Wirtschaften. Hier kamen auch die Gründerväter her, die sich unter anderem von der Verfassung, welche der Französischen Revolution entsprungen war, für ihre eigene Verfassung inspirieren ließen.

Ganz subjektiv betrachtet, bedeutet die Europäische Union frei und ohne Passkontrollen durch 27 Länder zu reisen. Städte zu sehen und die unterschiedlichsten Menschen kennen zu lernen.
Sich in 27 Ländern eine Wohnung nehmen und arbeiten zu können, was man möchte.
Für mich ist Europa aber auch, wenn an einem Ort Menschen aus verschiedenen Ländern zusammen kommen, um sich über ein Problem der Zeit zu unterhalten oder einfach nur zusammen Spaß haben.
Europa ist Gemeinschaftssinn.
Europa ist, wenn du mit einem Ungarn und einer Französin in einem Café zusammen sitzt und ihr euch gemeinsam in einer Sprache unterhalten könnt.

Europa ist, wenn du versuchst mit einer Französin Französisch zu lernen und du bald nicht mehr weißt, ob du jetzt Ungarisch, Deutsch, Englisch oder Französisch sprichst.
"Chaud Milch kerek"... ist Europa. Die Liste ist endlos lang, denn selbst der Umstand, dass wir größtenteils gekennzeichnete und maßgeregelte Lebensmittel haben, ist der Europäischen Union zu verdanken.

Jetzt scheinen es aber einige nicht ganz zu verstehen, dass es hauptsächlich Gemeinschaftssinn ist, der die EU ausmacht. Bei den letzten Wahlen zum Europäischen Parlament war die Wahlbeteiligung erschreckend gering und aus den einzelnen Ländern wurden rechtspolitische Stimmen laut, die gegen die Union wetterten. Natürlich ist die EU nicht perfekt. Um nur ein Beispiel zu nennen, finde ich es zum Beispiel nicht gut, dass die EU erlaubt hat, Giftmüll in Dritte-Welt-Länder zu exportieren oder die exorbitanten Einfuhrzölle für eben jene Länder. Aber letztendlich – und dieser Gedanke ist sehr wichtig – liegt es an uns, was die Europäische Union ist und wie sie agiert. Wir müssen sie formen, ihr ein Gesicht geben und vor allem zusammenhalten. Wir sind Europa.

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