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Tagebücher

Erste Eindrücke

03. September 2008

So, seit gestern Abend bin ich nun tatsächlich in Schweden angekommen und momentan geht es mir nicht besonders gut. Ich weine so ziemlich immer, sobald ich allein in meiner Wohnung bin. Aber fangen wir mal von vorne an.

Der Abschied gestern früh (das kommt mir bereits vor, als wäre das eine Ewigkeit her!), war sehr traurig und es gab viele Tränen am Flughafen (danke an dieser Stelle noch mal für den wunderbaren Abschied!). Dann gings erstmal von Stuttgart nach Kopenhagen, der Flug war noch wirklich angenehm und schön. Kurz bevor wir in Kopenhagen gelandet sind, haben wir eine Kurve über die schwedische Küste und über Malmö gedreht und dabei konnte man die Öresundbrücke sehen, die von Kopenhagen in Dänemark nach Malmö in Schweden reicht. Ein atemberaubender Anblick. Auf dänischer Seite fährt man zunächst durch einen Tunnel unter dem Wasser und dann steigt man plötzlich mitten im Wasser wieder an die Oberfläche, sodass es aussieht als würde die Brücke mitten in der Ostsee beginnen. Das war wirklich toll zu sehen.

Der Flug von Kopenhagen war dann auch okay, bis auf die Tatsache, dass es wahnsinnig heiß war und ich total geschwitzt habe. In Stockholm angekommen ging dann allerdings der Stress los. Erstens waren plötzlich alle deutschen Mitpassagiere verschwunden und um mich herum nur noch Dänen oder Schweden... da hab ich mich das erste Mal total fremd gefühlt und vor allem: Ich hab KEIN Wort verstanden.

Dann hieß es, ich müsse in Stockholm mein Gepäck abholen und damit durch den Zoll gehen und das Gepäck danach wieder aufgeben (völlig bescheuert, wenn ihr mich fragt), hab ich dann auch gemacht. Meine Koffer waren eigentlich die ersten auf dem Band und glücklicherweise auch beide noch da. Bis zum Zoll war es dann eine halbe Weltreise und die Frau vom Zoll meinte dann, ich müsse gar nicht kommen. Schön. Also bin ich samt Gepäck weitergegangen um dann letztlich die Koffer wieder aufzugeben.

Für alle die es noch nicht wussten: der Stockholmer Flughafen ist riesig! Ich musste zu Terminal 4 und das waren - samt Gepäckwagen im Schlepptau - gefühlte 100km zu Fuß. Und dann erstmal die Stelle finden, wo man das Gepäck abgeben konnte, war auch nicht leicht. Hab mich dann durchgefragt und bin schließlich die Koffer wieder losgeworden. Hier in Schweden muss man allerdings beim Check-In einen elektronischen Fingerabdruck abgeben und nur mit dem gelangt man dann auch an Board des Flugzeugs. War total seltsam.

Gut, dann noch mal durch den Sicherheitscheck und schließlich weiter nach Umea. Michael hat mich pünktlich abgeholt, meine Koffer waren wieder die ersten und wir konnten gleich in Richtung Anäset fahren. Unterwegs haben wir noch kurz im Supermarkt ein bisschen was eingekauft und dann war ich da... an meiner ersten eigenen Wohnung. Ich muss sagen, sie ist wirklich süß. Schön bunt und gemütlich, aber dafür ziemlich verdreckt (ich werde erstmal alles putzen, jawohl, ICH!) und es fehlt an allem.

Es gibt nur einen einzigen Topf zum Kochen, keinen Mülleimer, kaum Besteck, das Klo ist furchtbar eklig, Klopapier war keines da… und ich darf das jetzt alles nachkaufen. Nun ja, aber abgesehen vom Inventar ist die Wohnung wirklich nett. ;D Mein Zimmer ist blau-gelb gestrichen und gefällt mir wirklich gut, ich hab mich gleich ein bisschen heimatlich eingerichtet.

Irgendwann im September soll anscheinend dann eine andere deutsche Freiwillige kommen und ehrlich gesagt bete ich, dass sie bald kommt! Ich kann’s kaum erwarten! Erstens kann man dann gemeinsam alles erkunden und zweitens ist es zu zweit einfach schöner als allein. Ich find’s auch blöd, die ersten Erfahrungen so allein zu machen... Also, ich hoffe sie kommt bald.

Heute war ich dann mit Eva, meiner Mentorin, bei ihrer Arbeit in Robertsfors. Sie arbeitet dort in der Tungsskolan und betreut eine Art Pausenraum, in den die Schüler während der Pausen oder Hohlstunden gehen und Billard- und Tischtennis spielen, fernsehen oder einfach quatschen können. War nett von ihr, dass sie mich dorthin mitgenommen hat, so konnte ich mir auch gleich mal Robertsfors anschauen (das immerhin schon 2000 Einwohner hat und nicht wie Anäset 800!), aber insgesamt war's eher langweilig.

Die Schüler haben die ganze Zeit Schwedisch gesprochen und ich versteh ja nichts! Und acht Stunden dort zu verbringen war dann auch wirklich einfach zu lang. Leider hat es dann gegen elf Uhr morgens auch noch angefangen in Strömen zu regnen, sodass ich nicht mal spazieren gehen konnte. Und leider hat es bis jetzt auch nicht aufgehört zu schütten. Außerdem ist es jetzt schon verdammt kalt hier! Gegen acht wird es langsam dunkel und nachts gibt es bereits Minusgrade. Als ich gestern Abend um acht hier angekommen bin, hatte es null Grad. Der Sprung vom Sommer in Deutschland zum Herbst hier war irgendwie ziemlich groß... ich bin's nicht gewohnt und friere schon bei den 12 Grad heute, obwohl ich ein T-Shirt und eine Strickjacke drüber anhabe.

Na ja... morgen um 13 Uhr geh ich dann mal in den Kindergarten und schau mir das alles an und spreche mit meiner Mentorin dort und kläre dann, wann ich anfange dort zu arbeiten. Ich hab heut mit Eva schon mal kurz dort vorbeigeschaut und der Kindergarten ist wirklich niedlich. Ein gelbes Holzhaus, das aussieht wie eine Puppenstube. Die Kinder sind auch süß. Ich hoffe nur, dass ich mich mit ihnen verständigen kann. Ich werde mir das morgen einfach mal genauer ansehen. Außerdem muss ich noch ein Konto bei der Handelsbanken anlegen, denn dorthin bekomme ich mein Taschengeld überwiesen.

Und nun bin ich also daheim, werde gleich erstmal eine warme Dusche nehmen, ein bisschen aufräumen und mir dann was zu essen kochen (Fertiggerichte sei Dank!).

Allerdings hab ich, seit ich hier bin, überhaupt keinen Hunger. Heute hab ich nur einen halben Toast zum Frühstück, eine Banane zum Mittagessen und gerade eben eine Kanelbulle (Zimtschnecke) gegessen und nicht mal die richtig runterbekommen. Und wer mich kennt, weiß, dass es eigentlich NIE vorkommt, dass mir eine Zimtschnecke nicht schmeckt!

Also wie gesagt, es geht mir nicht besonders gut. Ich fühl mich noch total fremd und kann mir momentan einfach nicht vorstellen, wirklich ein Jahr hier zu bleiben. Mir fehlt mein Zuhause, mir fehlen meine Tiere und ich hab tierisch Heimweh. Früher wenn ich "Auf und Davon" geschaut habe, hab ich diejenigen, die bereits nach einem Tag Heimweh hatten, immer ausgelacht. Jetzt geht es mir selber so und ich kann diejenigen plötzlich viel besser verstehen.

Wer also sagt, so bald hat man noch kein Heimweh, der soll das selber mal ausprobieren.

Ich wäre jedenfalls momentan am Liebsten daheim. Aber klar, natürlich probier ich's hier weiter, vielleicht muss ich mich einfach erstmal einleben und mir ein bisschen Zeit geben.

Aber ich hoffe echt, dass es bald besser wird.

Heimweh ist nicht grade das tollste Gefühl, das ich mir vorstellen kann.

[Fotos lade ich dann beim nächsten Bericht hoch]

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Kommentare

04.09.08 21:45
Hey Klene! Kopf hoch! Ich denke, das ist normal. Warte erst einmal ab bis das andere Mädel da ist, dann wird es auf jeden Fall besser! ;-) Die Erfahrungen, die du in dem Jahr machen wirst, kann dir niemand nehmen. Es gehören auch negative Erfahrungen dazu! Schon bald wirst du auch gut schwedisch sprechen können. Aber mal eine andere Sache. Du warst ja schon öfter in Finnland, ne? Ich glaube, Finnland würde mir besser gefallen. Kannst du mir etwas zu dem Land schreiben?? Wie es dort ist?!
Würde mich freuen von dir zu hören... Steck den Kopf nicht in den Sand!
04.09.08 20:28
hey...

ach schade, dass es dir beim start ins evs noch nicht so gut geht..aber das wird sicher bald :) kopf hoch, wenn erstmal die andere freiwillige da ist und man sich an die neue umgebung gewöhnt verfliegt das heimweh vielleicht schneller als gedacht..ich drücke dir jedenfalls ganz fest die daumen! bleib tapfer :)

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