Dezemberträume im Oktober (1 von 3)
Über sechs Wochen sind schon vergangen – und am 20. Dezember geht's erstmal wieder nach Hause! Ich freu mich schon gewaltig darauf euch alle wieder zu sehen - auch wenn ich nach über 42 Tagen schon irgendwie sagen kann, dass ich mich eingelebt habe!
1. Der Kindergarten, meine Mentorin und die ersten kleinen Erfolge!
Ja, wie schon berichtet wurde ich von meiner Mentorin Roisin an meinem ersten richtigen Arbeitstag von "zu Hause" abgeholt. Zunächst war ich etwas verwirrt, da ich in Deutschland eigentlich nur mit Lucia, der Kindergärtnerin, in Kontakt gewesen bin, und ich eigentlich davon ausgegangen war, dass sie auch meine Mentorin sein würde. Roisin hatte aber anscheinend den Sommer über genug mit ihrer Ausstellung zu tun gehabt, sodass Lucia die organisatorischen Sachen übernommen hatte.
Hört sich verwirrend an, aber letztlich hat sich Roisin die ersten Tage gut um mich gekümmert. Sie ist gerade mal 30 Jahre alt, bereits Mutter von zwei Kindern und von Beruf Künstlerin! In der ersten Wochen hat sie mich zu sich nach Hause eingeladen, mir die wunderschöne Glasbläserei ihrer Familie gezeigt (Jerpoint Glass kann ich nur jedem empfehlen), mich des Öfteren zu "meinem" Lidl nach Kilkenny gefahren oder mich nach dem Kindergarten zu nem Kaffee ins "Blackberry Café" oder in den "Watergarden" eingeladen.
Roisin ist wirklich ne ganz Liebe, auch wenn sie manchmal etwas verplant ist und auch mal ein paar Sachen vergisst. So hat sie mir z.B. bei der Suche nach einem Orchester geholfen, einen Sprachkurs für mich gebucht oder mich mal nach Kilkenny gebracht, als ich den einzigen Bus verpasst habe. Am 21. September bin ich zusammen mit ihr, ihren beiden Kindern Darragh und Sarah und ihren Eltern (so liebe Leute!) zusammen zum "Open Day" des Camphills nach Ballytobin gefahren. Das Camphill ist eine riesige und wunderschöne Anlage in der Nähe von Callan (ebenfalls County Kilkenny) auf der Behinderte liebevoll betreut werden. An und für sich war der Tag wirklich schön: Sonnenschein, Flohmärkte, Musik, Spiele für die Kinder etc…
Hatte Roisin in der Woche davor zwar was von meinem Geburtstag erzählt – aber wie gesagt: Ein bisschen vergesslich ist sie schon ;-)! Dafür hat sie aber beim letzten Komitee-Treffen des Kindergartens (hab ja schon berichtet, dass der KiGa von einem Vorstand geleitet wird, der sich aus den Eltern zusammen setzt) die anderen Eltern darauf angesprochen, ob sie noch irgendwelche Freizeitbeschäftigungen für mich hätten – und es ist wirklich ne Menge dabei rumgekommen!
Daher fühle ich mich im Kindergarten auch immer wohler: Die Eltern der Kinder sind wirklich überaus freundlich und irgendwie finde ich immer besser nen Draht zu den Kleinen. Mittlerweile hab ich auch schon festgestellt, dass ich hier "Erfolgserlebnisse" ganz anders definiere: Noch vor nem Jahr hab ich mich über ne gute Klausur gefreut – jetzt sind’s diese kleine Augenblicke, in denen mich ein Junge einfach umarmt, ein kleines Mädchen ausdrücklich MEINE Hilfe beim Gang zum Klo (oder danach ;-)!) verlangt oder eine Mutter mir davon berichtet, dass ihre Tochter zu Hause die ganze Zeit das Lied gesungen hat, was ich ihnen beigebracht habe.
Heute haben wir zum Beispiel das erste Mal ein Laternenlied gesungen. Der Kindergarten veranstaltet jedes Jahr einen kleinen Martinsumzug, den die vorherige Kindergärtnerin Steffi (ebenfalls aus Deutschland, wohnt aber schon seit fünfzehn Jahren in Irland) vor einigen Jahren angeleiert hatte. "Laternenlaufen" ist in Irland eigentlich gar nicht so bekannt wie in Deutschland, daher gibt es auch keine "echten" englischen Laternenlieder – ABER glücklicher Weise gibt es englische Übersetzungen von den deutschen Laterneliedern! Da Lucia die Melodien von "Bummela-Bumme-Laterne" und Co. nicht kennt, durfte ich heute meine Querflöte mitnehmen und den kleinen die Melodien vorspielen. War einfach nur faszinierend zu sehen, wie selbst unsere lautesten "Krawallbrüder" auf einmal still sein können, wenn Musik gespielt wird!
Klar gibt es aber auch einfach nur Tage, an denen ich mich frage, ob ich hier überhaupt das Richtige mache. Besonders "aufregend" waren bisher zwei Dienstage, an denen Lucia nicht da war. Einmal musste sie zu einer Fortbildung, sodass eine Mutter und ich den Kindergarten schmeißen durften. Wer mich kennt, weiß das ich ziemlich hektisch und verwirrt sein kann, wenn nicht alles glatt läuft – zumal ich als Freiwillige zwar die Abläufe im KiGa kenne, aber einfach nicht das größte Durchsetzungsvermögen habe, und dann manchmal auch etwas laut werden kann. Beim zweiten Dienstag ohne Lucia war dann alles noch etwas verplanter, da Lucia über Nacht krank geworden war und so eine andere Mutter spontan eingesprungen ist. Zuerst war ich einfach nur überfordert – aber letztlich haben alle den Tag "überlebt" und irgendwie lief alles schon viel besser als beim ersten Mal, zumal ich jetzt auch gelernt habe, dass man mit "Schreien" gar nichts erreichen kann!
Nachdem ich jetzt auch für mich festgestellt habe, dass ich mich auch gar nichts als Autoritätsperson aufspielen brauch – sondern mich nun vielmehr als eine Freundin der Kleinen verstehe- läuft’s auch viel besser! Möchte an dieser Stelle auch meinem Bruder Stefan für die ganzen "Killemann"- und "Mr. SSSS"- Aktionen bedanken: Das zieht nicht nur bei kleinen Schwestern, sondern auch bei vierjährigen irischen Jungs ;)!
Hilfreich war natürlich auch Lucia - auch in Bezug auf mein Heimweh. Die ersten beiden Wochen waren selbst im Kindergarten manchmal einfach nur schrecklich - besonders in den Augenblicken, wenn die Kinder nach ihrer "Mummmmy!" geweint haben, und ich mich am liebsten mitgemacht hätte. Ganz besonders schlimm war es an einem Freitag, an dem von den Kindergartenkindern maximal nur fünf kommen… dafür aber gleichzeitig unsere "Parents & Toddler"-Group (also ne Krabbelgruppe) stattfindet.
Musste schon ganz schön schlucken, als ich diese unendliche Vertrautheit zwischen den kleinen Muckis und ihren Müttern gesehen habe! Hab in diesem Augenblick festgestellt, dass eine Mutter wohl immer was Besonders ist: Egal ob man 2 Jahre oder 20 Jahre alt ist ... Jaaa, Mama: Du bist und bleibst die Beste! Ich vermiss dich ganz doll :)!
Jedenfalls hat mich Lucia da einfach mal in den Arm genommen und gemeint, dass diese Heimweh-Sache nie so ganz aufhört - egal wie alt man ist! Toll fand ich auch, als sie mir gesagt hat, dass sie von mir als Freiwillige einfach nur erwartet, dass ich was lerne :)!
So, ich muss jetzt aber auch schon los: Mittagessen kochen, meine Bude aufräumen und mein erstes laaaaanges Wochenende planen! Denn: Montag und Dienstag habe ich frei!
Mehr zu meinen bisherigen Wochenenden und meiner "Wie gehe ich mit zuviel Freizeit um"-Aktion gibt’s beim nächsten Mal!
Ich denk an euch!






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