Das Dingsda
Dienstag 18-09-07
Heute bekam ich einen Einblick in den “normalen” Schulalltag. Es war mir von vorneherein nicht so klar, dass mein Arbeitsplatz praktisch ausschließlich die Schule sein wird. Die meisten Schüler sind ja ungefähr mein Alter, aber ich duze die Lehrer, habe meinen Kaffeebecher und ein eigenes Fach im Lehrerzimmer. Irgendwie ist es doch komisch wieder Teil einer Schule zu sein, doch diesmal irgendwie zwischen den Schülern und Lehrern zu sein. Jedoch auch irgendwie ziemlich angenehm, da ich ja weder unterrichten noch zur Schule gehen muss ;). Meine Aufgabe heute bestand darin, mich zwei Klassen vorzustellen und für Fragen zur Verfügung zu stellen. Eine 12. Klasse lernt erst seit drei Jahren Englisch und es war recht aufwendig sich zu verständigen. Dennoch mangelte es nicht an Interesse und verlief dementsprechend witzig. Die zweite 12. Klasse sprach flüssig, zeigte jedoch recht wenig Interesse, was teilweise auch daran lag, dass die Lehrerin mich die meiste Zeit über Südafrika ausquetschte. Zwischendurch versuchte ich schon mal anzutasten wie es mit dem Interesse an einem Theaterworkshop steht und ich hab das Gefühl Extra-Aktivitäten sind an der Schule nicht grade Gang und Gebe. Es gibt kaum Angebot und somit werde ich sehen müssen ob ich ne Truppe zusammen bekomme, die ihre Freizeit opfert .
Außerdem habe ich an einem Französischunterricht auf Polnisch teilgenommen. Ich war überrascht festzustellen wie schnell mir Französisch wieder über die Lippen ging, aber der Unterricht war nicht besonders anspruchsvoll. Die Schüler lernten im dritten Jahr und somit hatte ich einen ziemlichen Vorteil. Ich nutzte die Zeit mir Französischvokabeln ins Polnische zu übersetzten, sehr merkwürdiges Gefühl.
Nach einer Stunde kam ein Schüler zu mir und überreichte mir ein komisches metallenes Ding, das aussah wie eine verlängerte Türklinke und meinte im gebrochenen Englisch, er sei beauftragt mir das zu geben, bevor er schnell wieder verschwand. Ich hatte absolut keine Ahnung was das Dingsda sein sollte also steckte ich es ein und fühlte mich ein wenig veräppelt. Als ich wenig später Ivonna fragte, erklärte sie mir dann, dass das Dingsda eine Kurbel für meine Waschmaschine ist. Ja echt ! Ich habe eine Waschmaschine, die man mit der Hand ankurbelt, wie cool ist das bitte :-) Wahrscheinlich ist die schon so alt, dass sie schon fast antik ist. Ich freu mich schon auf meine erste Wäsche ;). Wozu braucht man in Polen Fitnessstudios, man hat doch Waschmaschinen... Was ich ganz witzig finde ist, dass man ja in Deutschland häufig noch das typische Bild eines etwas veralteten Osteuropas hat. Doch im Moment, komme ich mir immer reichlich unmodern vor, wenn ich den Polen hier erkläre, dass ich kein Internet, kein Telefon, kein funktionierendes Heizsystem, weder Staubsauger noch Fahrrad habe, dafür aber ne Waschmaschine zum Handankurbeln und recht ungläubige Blicke ernte.
So wie ich meine bevorstehende Arbeit einschätze, werde ich mir außer den feststehenden Punkten, Youth Debate Club und Theater, den Rest der Zeit aussuchen können was ich machen möchte. Fürs Erste habe ich mir einen Französischkurs, sowie Sportkurs gesucht, die ich ausprobieren werde, auch um Kontakt zu den Schülern zu bekommen. Außerdem wurde mir heute angeboten kostenlos an einem Austausch in die Ukraine teilzunehmen und es steht ein dreitägiger Ausflug in die Berge hier an. Es gibt also vielfältig und interessante Möglichkeiten viel zu sehen und zu erleben. Morgen unternehme ich mit einer Schulklasse einen Ausflug nach Kattowice (die Hauptstadt meiner Region), um die Universität zu besichtigen. Dort soll ich bald auch einen Sprachkurs besuchen und ich werd mich mal umschauen, was es dort sonst noch so für Angebote gibt.








Kommentare
Bisher gibt es noch keine Kommentare.