"Damme? HELAU!" - Auch mal in Nordirland
Hey meine Lieben!
Ja, ich hab lange nichts mehr von mir hören lassen, und ich muss echt gestehen, dass ich ziemlich schreibfaul geworden bin. Dafür war in den letzten Wochen auch wirklich viel los und ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll.
Vielleicht mach ich’s einfach mal auf die irische Art und Weise, und schreibe einfach mal übers Wetters ;). Das ist nämlich seit einigen Wochen unglaublich schön! Die Sonne scheint, die Osterglocken blühen, die Kinder spielen auf den Straßen – und unser lieber Nachbar Mick sitzt wieder biertrinkend vor der Haustür. Ja, es ist unglaublich: Der Frühling hat Einzug gehalten! Die Iren sind schon ganz begeistert von der Idee, dass darauf vielleicht auch endlich ein vernünftiger Sommer folgen könnte und rennen jetzt schon teilweise mit T-Shirts durch die Gegend. Aber es sei ihnen gegönnt - wenn man an die starken Regenfälle Anfang Februar zurückdenkt... (Bei dem der Fluss "Nore" so stark über die Ufer getreten ist, das auf der angrenzenden Kuhwiese Enten geschwommen sind! Kein Scherz!)
Nach meinem Bericht über mein Bergfest, kommt jetzt eine Zusammenfassung eines ereignisreichen Ereignisses, das sich im Februar ereignet hatte:
So habe ich vom 13. - 16. Februar den "Dammer Carneval" (NATÜRLICH der größte Carnevals-Umzug Norddeutschlands!) auf eine ganz andere Art und Weise verbracht: Aufgrund meines ersten langen Wochenendes im neuen Jahr, habe ich mich nach Nordirland aufgemacht. In Irland war wieder eine Woche Schulferien angesagt, und der Kindergarten war deshalb für zwei Tage geschlossen.
Daher bin ich gleich freitags nach dem Kindergarten (gaaaaaanz alleine ;)!) mit dem Bus nach Dublin und von dort aus nach Belfast gefahren. Geplant war eigentlich, dass ich mich bis Samstagnachmittag in Belfast aufhalte, um dann weiter zur Nordküste zu fahren. Montags hätte ich eigentlich nach Derry weiter wollen. Aber, da mein Reisebudget aufgrund von Bustickets und Hostelkosten schon extrem auf Sparflamme stand, hat es für Derry leider nicht mehr gereicht. (Obwohl ich mich von vornherein schon mit Proviant eingedeckt, und keinen "Pfennig" in Fastfood-Läden etc. gelassen habe, sondern immer schön brav meine mitgebrachten Spaghetti im Hostel gegessen habe!)
Nichtsdestotrotz war das Wochenende genial! Ich hab zwar einige Busse verpasst, mich um einige Male verlaufen, bin einige Male auch mal hingefallen – und hab letztlich festgestellt, dass man in Nordirland wirklich gut per Anhalter fahren kann ;).
Belfast war echt eine Reise wert. Die nordirische Hauptstadt ist etwas kleiner als Dublin und kann deshalb auch gut innerhalb eines Tages erkundigt werden – wenn man sich nicht dauernd verirren würde ;). Naja, ihr kennt mich ja!
Die Stadt ist wirklich facettenreich! Während man mit der City Hall + zugehörigen Riesenrad und vielen anderen wunderschönen viktorianischen Bauten eine wirklich schöne Innenstadt vorfindet, sieht man der anderen Seite den berühmt-berüchtigten Stadtteil West-Belfast, der immer noch von einer Mauer in zwei Lager aufgeteilt wird. Von den schrecklichen Kämpfen zwischen Katholiken und Protestanten haben wir ja irgendwie alle schon aus den Nachrichten gehört. Dennoch empfindet man es, vielleicht auch gerade als Deutsche – wenngleich ich ohne Mauer aufgewachsen bin-, wirklich erschreckend, dass selbst im 21. Jahrhundert noch Mauern existieren.
Auch wenn die Unruhen zwischen den protestantischen Loyalisten (die sich also für eine Zugehörigkeit zu Großbritannien aussprechen) und katholischen Republikanern (die sich ein freies und wiedervereintes Irland wünschen) sich mittlerweile gelegt habe (aber garantiert nicht aufgehört haben), geht man schon mit einem mulmigen Gefühl durch einen nicht gerade sehr einladend wirkenden Stadtteil. Für mich war es wirklich schwer hier zwischen Gut und Böse zu entscheiden – da auf beiden Seiten viel zu viel Blut vergossen wurde. Auch wenn die Mauer mit den berühmten farbenfrohen "Gemälden" verziert wurde (und ironischer Weise auch noch als "peace line" bezeichnet wird) – irgendwie konnte ich dieser Art von "Sightseeing" nicht viel abgewinnen …
Samstagabends bin ich dann nach einem verpassten Bus, einer nicht geplanten Zugfahrt und einer netten Mitfahrgelegenheit, total übermüdet in dem kleinen Dörfchen Ballintoy angekommen. Ballintoy liegt direkt an der Nordküste und somit auch am "Causeway Coast Way". "Wat schall dat dann?", werdet ihr euch jetzt fragen. Ganz einfach: Der Causeway ist ein Wanderweg von eigentlich 53 km, der sich entlang der irischen Nordküste zwischen den Orten Portstewart und Ballycastle erstreckt. Innerhalb dieser Strecke liegt der "Giant's Causeway": Eine natürlich Stein/Felsen-Formation, die direkt an der Küste liegt und aussieht, wie der Versuch einen richtigen Weg durch das Meer nach Schottland zu bauen. Jedenfalls gehört der "Giant's Causeway" zum Unesco Weltkulturerbe und war somit für mich eine Touristen-Attraktion die ich unbedingt sehen wollte.
Natürlich hätte ich von Belfast auch eine gemütlich Bustour entlang der Küste machen können (und anschließend noch eine Whisky-Distillerie besuchen können, hehe) – aber ich wollte mal was total "lena-untypisches" machen und mich körperlich bewegen: JA, ich bin gewandert. Zwar nicht gleich die ganzen 53 km, aber dafür die mir von meinem Ireland-Guide empfohlenen 16,5 km zwischen dem Dörfchen Ballintoy und dem Giant's Causeway himself.
Gesagt, getan. So bin ich doch tatsächlich am Carnevals-Sonntag gewandert. Ok, zu erwähnen wäre noch die Nacht davor: In Ballintoy bei meinem Hostel angekommen, wurde ich nämlich gleich von der Herbergsmutter zum nächsten Pub geschickt, wo ich zum gleichen Preis für eine Nacht in einem Fremdenzimmer übernachten sollte. Hatte mich eigentlich für zwei Nächte im Hostel angemeldet, aber irgendwie haben die die Reservierungen durcheinander gebracht. War ja auch kein Problem – wenn ich nicht vergessen hätte, meine Zimmertür abzuschließen. Nebenan war ja wie gesagt ein Pub – und deshalb fanden es zwei ca. gleichaltrige Iren wohl gaaaanz lustig mitten in der Nacht besoffen in meinem Zimmer zu stehen. Sind aber sofort wieder abgehauen – keine Sorge Mama ;).
Oh man, wenn ich vorher gewusst hätte wie wunderschön die nordirische Küste ist! Ich hätte wochenlang in Ballintoy bleiben können! Insgesamt bin ich ca. sieben Stunden gewandert und habe dabei weiße Sandstrände, die berühmte Hängebrücke in Carrick-a-Rede, einsame Fischerbuchten und zerfallen Ruinen auf kleinen Mini-Inseln gesehen. Ok, der Weg war nicht wirklich immer ausgeschildert und Trampelpfade waren schon richtiger Luxus: So bin ich entlang oder über Felsen geklettert, durch Matsch getrampelt und zum Abschluss noch die steilen Kliffs hoch gehechelt. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit war ich dann auch endlich beim Giant's Causeway – dem eigentlichen Ziel meiner Reise – angekommen.
Das Ende vom Lied: Meine Hose und Schuhe waren voller Schlamm, mein Allerwertester hatte einen riesigen blauen Fleck (3x hingefallen) und ich war fertig mit der Welt – und zu müde um mir den eigentlichen Causeway anzugucken. Aber es war trotzdem ein klasse Gefühl etwas geschafft zu haben und nebenbei noch bei strahlenden Sonnenschein die wunderschönste Küste "wo überhaupt gibt" zu sehen.
Abends im Hostel konnte ich dann auch – ohne nächtliche Störung – wunderbar schlafen, um mir am nächsten Tag noch mal den Causeway in Ruhe anzusehen. Da ich, wie gesagt, nicht mehr genug Kohle für Derry hatte, ging’s dann am Montag schon wieder Richtung Heimat. (Musste ja nur mit dem Bus von Ballintoy nach Ballymena, und von dort nach Belfast. Dublin und letztlich in das schöne Thomastown zurück!)
Mein nordirischer Kurztrip war echt eine geniale Sache – auch wenn einige von euch sicherlich einiges auf Grund meiner Tollpatschigkeit zu lachen gehabt hätten ;). (Hinfallen, Bus verpassen, vergessen sofort die viel günstigeren Rückfahrscheine zu kaufen, verlaufen... Dörthe, ich hoffe du liest das hier :)!) Leider konnte ich wegen meiner (bzw. Mamas) nicht mehr vorhandenen Digi-Cam keine Fotos machen. (Und dabei hatte ich strahlenden Sonnenschein!!!) BITTE, googelt einfach mal "Giant's Causeway, Ballintoy, Carrick-a-Rede oder Causeway Coast Way" und weint ne Runde, weil die Bilder einfach umwerfend sind!
Jaaa, so kann man auch mal Carneval feiern! Auch wenn ich gestehen muss, dass ich zu Beginn meiner Wanderung einfach mal laut "Helau" gerufen habe ;) - Damme lässt einen halt nie los!
Bis zum nächsten Mal! Ich hab euch lieb! :)






Kommentare
da hätten wir mal zusammen langgehen sollen :)