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Tagebücher

Berühmtsein und Kältefrei

27. Januar 2010

(26. Januar 2010)

Heute ist Dienstag nach einem tollen Wochenende mit Marie und Martina im -22 Grad Celsius kalten Liepāja, das gebraucht wurde, um sich von den Strapazen des vergangenen Donnerstags zu erholen.

Aber der Reihe nach!

Donnerstag, der 21. Januar war unser großer Tag! Interkultureller Abend! Wie lange hatten Marie und ich darauf hingearbeitet? Neue Poster entworfen, Datum auf den Eintrittskarten per Hand geändert, Programm zusammengestellt, was dann immer wieder verändert wurde, Absprachen mit Lehrern und Schülern gehalten, eine Rede geschrieben...

Ich hatte die große Aufgabe mit Deutsch-Schülern ein deutsches Lied zu üben und dann zu performen. Entschieden hatten wir uns schon damals im November für Nena’s 99 Luftballons. Als es dann jetzt im neuen Jahr wieder mit dem Üben losgehen sollte, gab es Probleme: Plötzlich wollten einige der Schüler nicht mehr mitmachen! Puh, und das eine Woche vor dem eigentlichen Event! Zum Glück konnten die beiden litauischen Deutschlehrerinnen Danguole und Daiva ein paar ihrer Schülerinnen motivieren, doch noch mitzusingen.

Dann ging es ans Üben. Wir trafen uns jeden Tag in den zwei 20-minütigen Mittagspausen im Musikzimmer der Schule. Als erstes übten wir zusammen mit Nena, dann mit der Karaokeversion und irgendwann dann mit Begleitung durch die E-Gitarre. Wir wurden von Tag zu Tag besser, bestätigte uns Martina, unsere verrückte Italienerin. Die Schüler hatten sehr gute Ideen zur Performance und zum Outfit und so machte ich mich dann am 21. Januar mit meinem großen schwarzen Reisekoffer, drei mit Helium gefüllten Luftballons in schwarz, rot und gelb und Klamotten ebenfalls in schwarz, rot und gelb auf den Weg in die Schule. Die Leute auf Šiauliais Straßen schauten mich an, als wäre ich frisch vom Mond gelandet oder so, aber was tut man nicht alles für die Präsentation des Heimatlandes! *lach*

Die Stunden bis um 16 Uhr nachmittags vergingen wie im Flug! Poster aufhängen, Generalprobe für das deutsche Lied, Rede üben, Aufgaben verteilen, letzte Ungereimtheiten lösen und einen Ersatz für den deutschen Film finden, den Marie und ich mühselig und in feinster Kleinarbeit zusammengebastelt hatten, aber nicht speichern konnten und ihn so nicht auf den richtigen PC übertragen konnten. Naja, ein Glück hatte ich noch die Bilder von Deutschland und die Nationalhymne von den Präsentationen vor den einzelnen Klassen auf meinem USB-Stick und so war es doch, wenn auch ein etwas dürftiger aber eben ein Ersatz.

16 Uhr war der Saal der Schule gefüllt mit Lehrern, Schülern (sowohl vom Dizdvario aus auch von anderen Schulen der Stadt), der Presse, Freiwilligen (die beiden Mädels aus Kurtuvenai waren auch gekommen) und portugiesischen Physiotherapie-Studenten und Aliens. Ja, Marie und Ernesta, eine 12. Klässlerin hatten sich als Aliens verkleidet, um durch den Abend zu führen, indem sie die vielen Nationen an der Schule erforschten.

Es war wirklich ein schönes, bunt gemixtes Programm: Von einem von Schülern selbstgedrehten Film über Litauen über ein russisches Liebeslied und bekannte Italiener, sowie einem Flug über Portugal und einer Fashion-Show bis hin zum Beatles-Song-Medley und litauischem Folkstanz. Alles war dabei!

Der beste Auftritt war natürlich der der deutschen Schüler und mir. ;) Das sagen auch die Deutschlehrerinnen!

Macht euch am besten selbst ein Bild darüber, die Bilder findet ihr bald auf meiner Picasa-Seite, schon jetzt auf der Schulhomepage und auch in der litauischen Presse! Ja, ja, die Presse war anwesend und hat über unser Event in Schrift und Bildern berichtet.

Hier die Links dazu:

http://www.skrastas.lt/?data=2010-01-25&rub=1065924810&id=1264339378

http://www.siauliai.lt/svietimas/index.php?shownews=2&cat=8

http://www.etaplius.lt/Jaunimas/Desimties-tautybiu-atstovai-surenge-svente-miesto-bendruomenei

http://www.elta.lt/zinute_pr.php?inf_id=1143256

http://portalas.emokykla.lt/naujienos/Puslapiai/Naujiena1519.aspx?Source=http://portalas.emokykla.lt/Puslapiai/Naujienos.aspx&ID=1365

(Für alle, die der litauischen Sprache noch nicht ganz mächtig sind - Google Translate gibt Hilfestellung)

Marie und ich haben uns dann gestern auch gleich die Siauliu Krastas gekauft, um unsere Namen in der Zeitung zu lesen! Hach, wir sind berühmt!

Es war ein schöner Abend und wir haben viele Komplimente für Organisation und Durchführung von Schülern und Lehrern bekommen. Ich war auch echt ganz schön stolz, dass das alles so geklappt hat, wie wir uns das vorgestellt hatten!

Kurze Zwischenbemerkung: Insgesamt habe ich gemerkt, dass es der Schule sehr um Prestige geht. Zu zeigen, was man hat (in dem Falle Freiwillige und einen Austauschlehrer aus anderen Ländern und somit eine große Anzahl von vertretenen Nationen) ist sehr wichtig bei der ganzen Sache. Da kommt dann eben mal die Presse und alles, aber echt alles muss perfekt sein! Das ist schon eine andere Mentalität und Herangehensweise irgendwie. Es geht vordergründig um Prestige, erst an späterer Stelle kommt der Spaß.

Der Erfolg wurde dann am Abend erst mal begossen und am nächsten Tag ging es mit dem Bus an die lettische Küste nach Liepāja. Dass uns dort so eine Kälte erwarten würde, hatte keine von uns drei Mädels gedacht! -22 Grad Celsius! Auf den Anschluss von Palanga in Litauen nach Liepāja in Lettland mussten wir in einem Cafe warten, weil man es draußen einfach mal nicht aushalten konnte! Und das mit dicken Wintersachen!

In Liepāja angekommen wurden wir von einem EVSler aus Spanien, Ramon und einem Deutschen, Yannick abgeholt. Abends gab es dann eine Party bei einem portugiesischen Erasmusstudenten. Dort hab ich dann auch meine erste kleine Italienisch-Konversation mit Martina gehalten und nicht nur Schimpfwörter gelernt - Italiener haben davon nämlich eine Menge!

Am nächsten Morgen ging es gleich von Yannicks Wohnung zusammen mit seiner spanischen Mitbewohnerin Marta an die lettische Ostseeküste! Oh war das kalt aber toll! Die Sonne strahlte, auf dem Sand lag Schnee und das Meer war sogar ein ganzes Stück zugefroren! Es war einfach nur herrlich das anzusehen! Man konnte sogar das Eis auf dem Meer betreten. Es sah ein bisschen wie auf einer Mondlandschaft aus. Halb (um nicht zu sagen ganz) erfroren aber mit tollen Eindrücken des Meeres und der Küste verzogen wir uns dann lieber ins warme Cafe und dann ins Kino.

Ja, und nun sitz ich hier auf meinem Sessel in meinem Zimmer und die gepackte Tasche steht schon bereit: Morgen geht es nämlich für vier Tage in die schwedische Hauptstadt! Ich bin schon ganz gespannt darauf. Der Wetterbericht klingt aber ganz gut, so um die -6°Celsius. Das ist ja ein Witz im Vergleich zu unseren eisigen Temperaturen von bis zu -25°C!

P.S.: Gestern sind einige Schüler gleich gar nicht erst zur Schule gekommen, weil es ab -25°C so genanntes Kältefrei gibt. :-D

Also dann, liebe Grüße an alle ins hoffentlich nicht ganz so kalte Deutschland!

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Kommentare

Kathrin
27.01.10 10:39
krass, was ihr alles erlebt! weiterhin alles gute und viele grüße aus madrid.

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