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Tagebücher

Ankunft von Jérémie

06. Oktober 2007

Nun wohne ich das erste Mal in einer WG, denn mein neuer Mitbewohner und zukünftiger Arbeitskollege ist angekommen. Der erste Eindruck war nicht besonders berauschend, denn ich merkte sehr schnell, dass wir auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben. Er ist Kettenraucher, absoluter Fleisch- und Fussballfan, isst zum Frühstück Nutella und Cola und wirkt ziemlich unorganisiert.

Zum Glück waren Eni, Ania und Dominik auch da und so zogen wir gemeinsam los und zeigten ihm die Gegend und gingen einkaufen. Er wollte nur typisch polnisches Essen kaufen, sogar Zahnpasta und Taschentücher mussten polnischer Herkunft sein. Abends fuhren wir dann zusammen auf eine Geburtstagsparty einer der „redheads“. Es dämmerte schon, als wir aufbrachen und kaum waren wir aus dem Haus getreten, begegnete uns eine Gruppe betrunkener junger Männer. Eni und ich zogen erstmal die Luft ein und gingen so schnell weiter wie möglich, Monsieur J. zog gelassen sein Handy hervor und fing seelenruhig auf Französisch an zu telefonieren.

Uns blieb das Herz stehen, doch zum Glück passierte nichts. Eni wies ihn dann darauf hin, dass in der Gegend viele komische Leute rumlaufen und man besser so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf sich zieht. Doch Monsieur J. war da etwas anderer Auffassung, wie wir noch deutlicher erfuhren, als wir planten, ein Taxi für den Abend von der Bushaltestelle nach Hause zu organisieren. Er war dagegen, denn er meinte, er wolle leben wie die normalen Polen.

Wir versuchten ihm klarzumachen, dass es aber wirklich gefährlich ist, Samstagnacht alleine ne halbe Stunde durch Bedzin zu laufen, und dass Eni als Polin uns dringend davon abrät, da auch keine Pole zu der Tageszeit dort eine Nachtwanderung unternehmen würde. Daraufhin spielte er sich als großer Beschützer auf und meinte, er würde uns schon retten.

Die Diskussion endetet damit, dass Eni meinte, wenn er es unbedingt darauf anlegen möchte, an seinem ersten Tag einen auf die Mütze zu bekommen, soll er es tun, aber mich werde sie auf keinen Fall laufen lassen. Im Endeffekt nahmen wir nach schwerer Überzeugungsarbeit ein Taxi.

Die Geburtstagsparty war sehr lustig, ich lernte viele Philosophiestudenten und polnische Glückwunschgesänge kennen und wir hatten einige unglaublich witzige Missverständnisse. Ich hatte zum Beispiel eine sehr ulkige Konversation über sheep under water, wo mein Gesprächspartner (ship) meinte: „Passt mal auf, wenn das so weiter geht, hab ich bald genug Stoff für ne Fortsetzung des 'Weißen Negars Wumbaba'.“ ;-)

Als ich dann ein Taxi suchte, sah ich mich mit einem kleinen Problem konfrontiert, denn wenn der Taxifahrer merken würde, dass ich Ausländerin bin, würde die Fahrt höchstwahrscheinlich mehr kosten und ich hatte nur noch 15 Zloty. Eni bereitete mir einen Zettel vor, wo drauf stand: „Wieviel kostet eine Fahrt nach…?“ und auf der Rückseite stand „Ich weiß, es ist 15 Zloty“ und schlug vor, ich solle mich einfach taubstumm stellen. So ganz wohl war mir bei dem Gedanken ja nicht, besonders da mein Begleiter dann ja auch taubstumm spielen musste und das traute ich ihm nach zwei Bier mit Wodka nicht mehr ganz so zu. So probierte ich es auf Polnisch, geriet an einen ganz lieben Taxifahrer und kam für 15 Zloty sicher nach Hause.

Dort fiel ich ziemlich erleichtert und mit etwas gemischten Gefühlen, todmüde in meine Koje. Ania (meine Mentorin), ich und Eni. Wir sind total auf einer Wellenlänge udn ich wüsst nicht, was ich die ersten zwei wochen ohne die zwei gemacht hätte. Ania (meine Mentorin), ich und Eni. Wir sind total auf einer Wellenlänge udn ich wüsst nicht, was ich die ersten zwei wochen ohne die zwei gemacht hätte.

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