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Tagebücher

9. European Youth-Musik-Festival: ein Reinfall

24. Mai 2007

Muss mich jetzt mal wieder ein bisschen über Ungarn und diese schlimme Nachlässigkeit in allen Dingen aufregen! Letztes Wochenende war endlich mal wieder ein wenig Arbeit im Mûvház angesagt, dachten wir zumindest. Kam dann aber doch anders als erwartet.

Lívi meinte am Freitag nämlich, dass ich ihr unbedingt helfen sollte, da im Mûvház am Wochenende Konzerte im Rahmen des 9. Europe Ifjusági Zene Festival's stattfinden würden. Zur Info: das fand dieses Jahr schon zum neunten Mal statt (sagt ja der Name) und das erste Mal in Ungarn. Und zwar in den Hauptorten Budapest, Székesfehérvár und Pécs. Es werden jedes mal junge Gruppen aller Musikgenres, also Klassik, Pop, Rock, Etno, Jazz aus ganz Europa eingeladen. Das ganze Festival findet dann an allen möglichen Orten, sei es Theater, Schule, Kaufhaus oder öffentlicher Platz statt und ist natürlich kostenlos.

Bin also Samstag früh um zehn Uhr ins Mûvház um mitzuhelfen. Lívi hat dann gleich erst mal erklärt dass heute nicht drei, sondern sieben Bands kommen werden, und sich unsere Arbeitszeit noch um einige Stunden verlängern wird. Die vom Office in Pécs haben am Morgen des Beginns noch mal schnell alles geändert. Da dachte ich mir schon: Naja, mal schauen was den Tag noch so kommt. Das Schlimme war dann aber eigentlich, dass zwar die meisten Bands irgendwie angekommen sind, aber NIEMAND, wirklich niemand gekommen ist, um sich dass Ganze anzuhören...

Tolle Poster - nur in Pécs.. Tolle Poster - nur in Pécs.. Saxophon-Orchester aus der Schweiz Saxophon-Orchester aus der Schweiz Das habe ich erst mal nicht verstanden, aber da ist einiges in Pécsvárad schief gelaufen, anscheinend kam die Werbung dafür erst am Morgen im Pécsvárader TV -find ich viel zu spät, und abgesehen davon schaut sich das eh keiner an. Ihr müsst Euch das so vorstellen, dass das ein Sender ist, der dem Teletext ähnelt. Also nur Text mit Werbung für den Laden in Pécsvárad oder das Angebot und im Hintergrund Musik - also ich finde es langweilig! Nur einmal die Woche gibt es richtige Berichte und Menschen zu sehen, irgendwann abends. Ja, jedenfalls ansonsten stand wohl auch nichts in der Zeitung.

Ich habe zwar am Mittwoch Plakate mit Timi dafür rangemacht, aber das ist auch immer so eine Sache: es waren zu wenige, und wer sieht die schon. Echt, für so ein Event, drei Tage bevor es anfängt. Die meisten fahren mit dem Auto zur Arbeit und zurück auch bis zur Haustür.

Außerdem habe wir die Plakate selbst gemacht, auf Hellbau. Obwohl extra für dieses Event auffallende bunte Plakate von der Trägerorganisation angefertigt waren, genauso wie Programmheftchen und Buttons, von dem war aber irgendwie nichts in Pécsvárad angekommen. Und zu guter Letzt ging man ja bei uns nur von drei Bands aus, also bis vielleicht zwei Uhr Programm, so stand’s auch auf den Plakaten. Als die uns aus Pécs dann aber noch vier mehr geschickt haben und das Programm also viel länger ging, wusste davon erst recht niemand.

Drumanic Drumanic

Naja, dass ist Ungarn. Echt manchmal kapier ich’s nicht. Wirklich ich bin ja hier und wenn manchmal einer Blödsinn über Ungarn oder seine Bewohner erzählt, will ich solche Missverständnisse gern aus dem Weg räumen und verteidige Ungarn auch. Aber dieses Wochenende hat mal wieder gezeigt, dass hier Einiges einfach nicht funktioniert.

Mich ärgert das besonders, vielleicht auch weil ich deutsche Ordnung besonders in solchen Dingen zu sehr gewöhnt bin. Besonders auch weil es in Pécs mit den leeren Plätzen nicht anders war. Ich weiß natürlich nicht, weil es in den andern beiden Städten gelaufen ist, aber hier war das Ganze wohl ’ne Pleite. Und wenn man dann daran denkt, dass diese ganzen Jugendlichen extra aus ganz Europa angereist sind (die Kosten wurden übrigens auch von Ungarn gedeckt) um vor lehren Stühlen zu spielen…

Amade-Orchester Amade-Orchester Amade-Orchester Amade-Orchester Wirklich, die Bands haben mir auch echt leid getan, als vorletztes kamen zwei deutsche Gruppen aus einer Musikschule aus Kaiserslautern: „Drumatic” und ”Amade Orchester”- letzteres war wirklich das Beste was ich an dem Tag gehört hatte, ein suuupppper talentiertes Streichorchester mit ungefähr 40 Jugendlichen und sie haben „Carmen” gespielt - wirklich dabei hatte ich sogar Gänsehaut! Das war auch das schöne am Samstag: im Gegensatz zu vielen Leuten die das alles verpasst haben, haben wir die ganzen Bands gesehen und es waren echt tolle Sachen dabei! Aber es war schon komisch, denen sagen zu müssen, als sie ankamen, dass wohl kein Publikum mehr kommen wird.

Mit den Deutschen aus Kaiserslautern habe ich mich auch noch gut unterhalten. Der Leiter der Schule war ein super netter Franzose, der natürlich Deutsch sprach, und als Dirigent auf der Bühne - wow! Auch mit einem Mädchen und einer Lehrerin hab ich mich unterhalten und gleich die Möglichkeit des EVS ein wenig näher erläutert - wollten ja alle wissen, was ich als Deutsche hier mache.

In dem Sinne kann ich sagen, dass mein Job da eigentlich sehr easy war, da es ja bloß immer die Bands zu begrüßen gab und sich halt ein wenig mit ihnen zu beschäftigen, aber kein großes Durcheinander, da es ja kein Publikum gab. War am Samstag ungefähr um neun Uhr fertig und hab dann aber Lívi zugesagt am Samstag mit nach Pécs zu kommen, wo wir dann dort helfen sollten.

Lustigerweise war die Band wieder die deutsche Band, doch als sie ankamen und erfuhren, dass noch niemand da ist und wohl auch kaum mehr kommen wird, entschieden sie lieber gleich nach Hause zu fahren. Lívi meinte nur: „Schlimm, jetzt haben sie eine Meinung über Ungarn…” Tja, und danach sind wir dann zurück zum Büro um unser Geld abzuholen. Auch so ne Sache, obwohl wir sogar im Programmheft stehen, standen wir nicht auf der Geldliste. Am Ende habe ich deshalb auch nur 10 000 statt 15 000 Forint bekommen und dass nach drei Stunden warten lassen. Aber okay, gutes Taschengeld.

Vor den drei Stunden warten im Büro mussten wir auch so noch drei, vier Stunden warten und waren noch schön spazieren (mit Maria, die war nämlich Hostess von den Deutschen) und essen im Korhely. Hab ich davon schon mal erzählt? Ein sehr angenehmes, rustikales Restaurant in Pécs in der Király utca, wo es ungarische und mexikanische Spezialitäten gibt, und Erdnüsse auf jedem Tisch. Und es wird darauf bestanden, die Schalen af den Boden zu schmeißen, der auch mit Stroh bedeckt ist. Als ich das erste Mal mit Magda da war und die Schalen wie halt üblich schön in den Aschenbecher gemacht habe, war ich voll erschrocken als die Kellnerin auf einmal kam und das Ding genommen hat und alles in einem Schwung auf den Boden geschüttet hat. Aber okay, lustig ist es ja. ;)

Ach übrigens ganz am Ende noch nebenbei: Gestern hatte ich meine Ungarisch Abschlussprüfung. Ergebnis: written: A; oral: A+; End-result: A+ ! Yuhuuu!!!! Entspricht also einer 1+ =)). Bin so froh darüber! Ist zwar nur der Anfängerkurs, aber immerhin hab ich den bestmöglichst abgeschlossen. Mittlerweile kann ich mich schon unterhalten, dass tut gut! Gestern hab ich einen von den Jungs aus dem Kollegium im Bus getroffen, früher haben wir’s mit Handsprache versucht, aber jetzt reden wir schon auf Ungarisch. Und ich muss sagen, dass tut echt gut!

Kommentare

Miriam :)
14.03.09 11:45
Hallo erst mal!

Hmmm…also ich fand dieses festival total klasse, war dort auch von der selben musikschule aus kaiserslautern, nur ne andre gruppe, hast schon recht, es war nicht wirklich gut organisiert, wir hatten auch fast gar keine zuhörer und besonders pech hatte man natürlich dann, wenn man nicht auf der straße gespielt hat, wo die leute ja zuhören konnten, sondern in einem kleinem, abgelegenen räumchen jenseits der zivilisation…xD

Das war eben nur das einzige negative an der sache, ansonsten fanden wir es total lustig und schön, gerade eben auch weil alles so ein chaos war, und wir hatten eine prima zeit und haben land, leute und luft gut kennengelernt. Eins muss ich sagen: die ungaren sind sehr (gast-)freundliche leute, mit denen sich man gut unterhalten kann (mit dem wörterbuch xD)

Ich will unbedingt mal wieder nach ungarn!! ;-)

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