10. und 11 Dezember
Zum ersten Mal verpennte ich so richtig, verpasste dann meinen Bus und kam super spät zum Polnischunterricht. Als unsere bunte Truppe danach wieder mal im „goldenen Esel“ zu Mittag aß, kam ein kleiner Junge ins Restaurant und bettelte um ein wenig Geld. Da ich kein Geld gebe, wollte ich ihn zum Essen einladen, aber er wollte lieber Brot kaufen, weil er, wie er erklärte, noch fünf Geschwister hatte.
Also ging ich schnell mit ihm in den kleinen Shop nebenan. Wir kauften Brot, Käse, Wurst, Butter etc. Ich stellte ziemlich berührt fest, dass, wenn ich ihn fragte, was er gerne für einen Käse essen würde, er immer nur die größte Packung aussuchte. Als wir grade bezahlten, kam Elisha ganz aufgeregt an und hatte sich voll Sorgen gemacht, ob mir etwas passiert war, weil es etwas länger gedauert hatte.
Mit der "Armut" ist man hier wirklich täglich konfrontiert und ich finde es teilweise schwieriger seinen Umgang damit zu finden, als in Südafrika, weil oft aggressiv gebettelt wird. Zum Beispiel schicken viele junge Mütter ihre Kinder richtig los, die sich dann an dein Bein klammern und ganz schrecklich weinen und auf dich einreden. Da ist es schwer Mitgefühl aufzubringen und sich nicht belästigt zu fühlen.
Auch fällt auf, dass man in den öffentlichen Verkehrsmitteln viele Leute sieht, die körperlich einfach fertig sind, sei es krank oder betrunken und es ist ziemlich bedrückend zu wissen, dass es hier kaum Sozialversicherung gibt. Einmal, als ich während einer Debatte im Youth Debate Club, die Wortwahl "Polen als ärmeres Land Europas" benutzte, fanden die Schüler das sehr merkwürdig und ich hatte ein komisches Gefühl.
Doch mir fällt es schon sehr deutlich auf, wenn man auf dem Weg aus dem Haus, an Müllcontainern vorbei geht, in denen alte Leute mit Stöcken nach Essbarem suchen, an so etwas merkt man eben doch die unterschiedlichen Auffassungen und Einstellungen sehr deutlich.








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