Europawahl 2009

Die Faulheit des Wählers

14. April 2009

Erstwähler verzweifelt gesucht! Das Interesse junger Menschen an den Wahlen ist gering. © European Communities, 2009Erstwähler verzweifelt gesucht! Das Interesse junger Menschen an den Wahlen ist gering. © European Communities, 2009."Die Abgeordneten zum Europarat" - "Keine Ahnung" - "Die PO-Partei" (die gegenwärtige polnische Regierungspartei, Anm. d. Verf.). Eine nichtrepräsentative Straßenumfrage* unter Studenten in Lublin bestätigt einen europaweiten Trend: Bei den jüngsten Wählern ist die Europawahl kaum präsent. Auf die direkte Frage weiß fast keiner, worüber im Juni eigentlich abgestimmt wird: Das Europäische Parlament als "Volksvertretung" der EU.

Dies ist aber weder ein Grund zu hämischer Freude noch zu Demokratiepessimismus. Diese lebt zwar vom Mitmachen, aber so labil wie manche sagen ist die schlechteste aller Regierungsformen mit Ausnahme aller anderen nicht.

Fakt ist: Die Menschen unseres Kontinents werden dauernd zur Urne gerufen. Sie wählen alle vier bis fünf Jahre Kommunen, Regierung und eben die Abgeordneten in Straßburg. In Deutschland kommen auch noch die Landtagswahlen hinzu. Jede Wahl verläuft dabei nach anderen Regeln; andere Parteien bieten sich an. Und dazu unterscheidet sich die Struktur der EU noch wesentlich von der eines Staates.

Wie ein Labyrinth. Die meisten Europäer verstehen das System der EU nicht. © European Communities, 2009.Wie ein Labyrinth. Die meisten Europäer verstehen das System der EU nicht. © European Communities, 2009.Dieses System erstens zu verstehen und sich zweitens dafür zu begeistern ist viel verlangt. Auch wenn Politik alle angeht machen nur wenige diese zu ihrem Beruf oder gar Hobby. Mich muss die Europawahl aus beruflichen Gründen interessieren. Ich arbeite als Journalist für ein webTV-Magazin*. Mein Team und ich verfolgen dasselbe Ziel wie dieser Blog: Wir werben für ein multikulturelles Europa und wollen die EU den Menschen näher bringen.

Aufgrund meiner Ausbildung - ich habe Politikwissenschaft studiert - bin ich vielleicht mehr im Bilde über die Wahlen im Juni als andere. Ich verfolge die polnische Presse und das Gerangel um die Sitze in Straßburg. (siehe hierzu auch den Artikel "Lokales geht vor", Anm. d. Verf.)

Umso mehr wird dieses Geständnis zum Schluss überraschen: Ich selbst darf nicht wählen. Das liegt daran, dass ich momentan weder in Deutschland noch in Polen amtlich gemeldet bin. Am Interesse scheitert es jedoch nicht.

* Ausschnitte der Straßenumfrage aus Lublin (PL) und Münster (D) gibt es in der ersten Aprilausgabe 2009 des webTV-Magazins diverCity auf http://www.ngotv.eu zu sehen. Die Sendung wird in Münster und Lublin in NGOs produziert und erscheint zweimal pro Monat.

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Guido, bleib stark!

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