Aktion

Ruhe, Kaffee und Blablabla… eine phantastische Lebensphilosophie

24. Januar 2010

Wein muss seinWein muss seinTick, tack, die Uhr tickt. Aber das stört in Frankreich keinen. Und das auch zu Recht, denn Stress bringt ja sowieso nichts als Frust oder Unzufriedenheit. Wieso nicht einfach alles gemütlich nehmen und das Hier und Jetzt genießen? Man lebt ja schließlich nur einmal.

Dies haben die Franzosen verstanden und sich zu Herzen genommen. Und so haben sich so einige Verhaltensangewohnheiten zur französischen Lebensphilosophie geformt.

1. In der Ruhe liegt die Kraft

Pünktlichkeit ist nur eine Frage der Ansicht. Als Verspätung wird nur alles über 15 Minuten bezeichnet. Bei Zeiten zu einem Rendezvous zu erscheinen, liegt den Franzosen nicht sehr am Herzen. Ganz einfach, denn wer rechtzeitig erscheint, muss damit rechnen, eine ganze Weile auf den anderen zu warten.

Selbst unangenehme Folgen, wie zum Beispiel das Verpassen eines Zuges, schrecken da nicht ab. Warum auch? Mit ein wenig Glück kommt auch der Zug zu spät und ansonsten: Ruhe bewahren, eine Zigarette rauchen und in der Bäckerei nebenan ein Croissant kaufen.

Alles wird einfach ein weniger lockerer gesehen. Zur Arbeit wird zu spät gekommen, dafür aber auch zu spät wieder nach Hause gegangen. Selbst am Ende einer enormen Schlange im Supermarkt regt man sich nicht auf, denn die gemütliche Frau an der Kasse wird sich ohnehin nicht mehr beeilen.

2. Die Kaffeepause

Naja, der Ausdruck Pause ist nicht immer angebracht. Oft wird der Arbeitstag schon mit der Kaffeepause angefangen. So wird der Organismus erst mal langsam hochgefahren und die Leistungsfähigkeit beim neuesten Tratsch erhöht. Dies hat den Vorteil, den Teamgeist bei der Arbeit zu fördern, denn zwanghaft werden mit den Kollegen ein paar Worte gewechselt.

le grand petit déjeunerle grand petit déjeunerJedoch nicht nur vor, sondern auch während der Arbeit wird Kaffee getrunken. Wer bei irgendeinem Treffen kein Kaffee serviert bekommt, der ist wohl schon auf der anderen Seite der französischen Grenze gelandet. Ja, denn so wird das I-Pünktchen des gemütlichen Feelings verliehen, das das Leben schöner macht.

Das türkische Getränk wird hoch geschätzt. Trotzdem geht es hier nicht unbedingt um die Qualität, sondern wohl eher um die Quantität oder einfach um die Präsenz, denn oft wird Filterkaffee serviert.

3. Beim Genießen geradezu zerfließen

Ein wichtiger Bestandteil des Genusses ist natürlich, wie überall auf der Welt, das Essen. Nicht umsonst handelt es sich beim Wort "Gourmet" um ein französisches. Die Stunden des kulinarischen Verwöhnens werden hoch geschätzt und nehmen somit auch einen großen Prozentteil des Tages ein.

Um zu essen muss mindestens eine Stunde eingerechnet werden, auch wenn es sich hier eher um ein Minimum handelt. Nicht nur wegen den zahlreichen Gängen, sondern ganz einfach auch, weil die Mahlzeit sehr genossen wird und die Prozedur in einen Mantel zwischenmenschlichen Kontakts gewickelt wird. Dies ist auf jeden Fall sehr gut für die Gesundheit, denn erstens wird Stress vermieden, zweitens langsam gegessen und drittens eine erholsame Mittagspause genossen.

4. Wein muss sein

Weiterer Bestand der französischen Lebenseinstellung ist die Liebe zum Wein. Aber halt, es ist hier nicht von Alkoholikern die Rede. Denn das Getränk der Götter ist Teil der Kultur. Viele gute Weine werden aus den Reben Frankreichs gezaubert und beinahe kein Apéro wird ohne gefeiert.

Nicht in Übermengen wird er zu sich genommen, sondern mit Vernunft und reichlichem Genuss. Der Apéro kleidet viele Anlässe ein. So kann dieser bei der Arbeit, oder auch einfach nur mit Freunden sein.

Ich hoffe, dass ich jetzt nicht den Eindruck geweckt habe, dass die Franzosen nichts tun, außer das Leben zu genießen und Kaffee zu trinken. Dies stimmt natürlich nicht. Der Alltag ist auch hier hart und grau, nur mit dem Unterschied, dass dieser durch die Lebenseinstellung ein wenig bunter wird.

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Kommentare

25.01.10 22:23
Servus Eva!
Ein Stichwort hast Du jetzt aber nicht gebracht: "Leben wie Gott in Frankreich!"

Ein bisschen erinnert mich Dein Beitrag aber auch an mein EFD-Leben hier in Prag. Denn wenn ich hier im Büro arbeite und Besuch vobeikommt, was durchaus auch öfters vorkommt, dann trinkt man auch gleich ein Stamperl "Slivovice" (Pflaumenschnaps) miteinander.

Aber Prag heißt ja nicht umsonst auch "Paris des Ostens" =)))

Eine schöne Zeit und viele Genüsse wünsch ich Dir noch!
Chrištoph

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