Aktion

Katyń - ein verfluchter Ort

11. April 2010

Der polnische Staatspräsident Lech Kaczyński (1949 - 2010) starb bei einem tragischen Unfall seiner Regierungsmaschine nahe Smolensk in Russland © European Communities, 2010Der polnische Staatspräsident Lech Kaczyński (1949 - 2010) starb bei einem tragischen Unfall seiner Regierungsmaschine nahe Smolensk in Russland © European Communities, 2010Die Nachricht schien im ersten Moment zu unglaublich um wahr zu sein, aber auch viel zu schrecklich, um noch als geschmacklose Zeitungsente durchzugehen.

 

Im Wald von Katyń ermordete der sowjetische Geheimdienst NKWD aus politischen Motiven polnische Intellektuelle und Offiziere. Auf dem Bild die heutige Gedenkstätte © Smolensk Memoryal (Alyeksyey Melkin)Im Wald von Katyń ermordete der sowjetische Geheimdienst NKWD aus politischen Motiven polnische Intellektuelle und Offiziere. Auf dem Bild die heutige Gedenkstätte © Smolensk Memoryal (Alyeksyey Melkin)

 

 

Der in Deutschland häufig scharf kritisierte polnische Staatspräsident Lech Kaczyński ist mit Gattin sowie 94 polnischen Spitzenpolitikern und deren Begleitpersonal nahe der russischen Stadt Smolensk tödlich bei einem Flugzeugabsturz verunglückt. Das Mitgefühl der polnischen Bürger ist mit ihren Politikern und deren Angehörigen; die Solidarität der gesamten Welt mit Polen.

Es ist zu erwarten, dass diese Staatstragödie ungekannten Ausmaßes Medien und Öffentlichkeit weit länger beschäftigen wird als Abstürze bei Passagierflugzeugen. Warum ist das so? Vielleicht führt der plötzliche Tod der mächtigsten und angesehensten Männer und Frauen eines Landes bei den gewöhnlichen Bürgerinnen und Bürgern zu einer erschreckenden Erkenntnis: Die Grenze zwischen Leben und Tod ist hauchdünn; Sekunden entscheiden. Auch für diejenigen, die gegen alle Lebensrisiken des Diesseits abgesichert scheinen.

Unfassbar auch die Symbolik der Tragödie. Die polnische Staatsspitze war auf dem Weg ins russische Katyń zur Trauerfeier des Massakers an tausenden polnischen Intellektuellen und Offizieren durch den sowjetischen Geheimdienst vor genau 70 Jahren.

Vielleicht haben die Absturzopfer jedoch mit dem hohen Preis ihres Lebens ihre historische Mission erfüllt. Den Polinnen und Polen an Bord der TU-154 lag alles daran, dass die sowjetischen Verbrechen an der polnischen Elite im Zweiten Weltkrieg nie vergessen und die Wahrheit in alle Welt getragen wird. Denn erst seit dem Fall des Eisernen Vorhangs gesteht Moskau die Ermordung der Polen ein. Katyń wird durch den 10. April als Ort des zweifachen Todes der gesamten Elite eines Staates in die Weltgeschichte eingehen. Das Jahr 2010 macht, dass Katyń 1940 unvergessen bleiben wird.

 

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Kommentare

Gast
14.04.10 18:28
http://www.stern.de/politik/ausland/joerges-die-webtv-kolumne-wir-sind-polen-1558178.html

..sehr treffend.

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Guido, bleib stark!

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