Aktion

Eine kleine Konsumkritik

21. Juni 2010

Konsum ist allgegenwärtig. In kaum einer Stadt kann man seinen Blick schweifen lassen, ohne das Werbeplakat einer neuen Parfümkreation, die Leuchtreklame eines Pharmakonzerns oder die Filiale einer weltweiten Fast-Food-Kette zu sehen. Die Augen schreien laut, doch leider nur im eigenen Geiste, nicht vernehmbar für die Außenwelt, für die Pharmakonzerne und Fast-Food-Filialen.

Es gibt kaum mehr Orte, an denen man KEIN Geld ausgeben kann. Konsum ist überall und jederzeit möglich, er wird als Allheilmittel propagiert und manche Menschen gehen tatsächlich "shoppen, um mich ein wenig zu entspannen". Gekauft wird, weil es möglich ist, nicht weil es notwendig ist. Wie in anderen Bereichen hat das Mögliche das Notwendige verdrängt. Es ist nicht nötig zwei Mal im Jahr in den Urlaub zu fliegen. Aber es ist möglich. Es ist nicht notwendig vier Autos zu besitzen. Aber es ist möglich.

Nun hat uns eine Wirtschafts- und Finanzkrise ereilt. Allseits sind die Beschwerden über die Folgen groß, über die Auswirkungen, die die Krise wohl erst auf die Arbeitslosenquote, dann auf das Volkseinkommen und schließlich auf die Kaufkraft, also den Konsum, haben wird.

Jedoch sind auch kritische Stimmen vernehmbar, die anmerken, dass wir die letzten Jahre oder Jahrzehnte vielleicht doch über unseren Verhältnissen gelebt haben. Diese Erkenntnis klingt für mich vollkommen richtig, doch würde mich interessieren wie viele Menschen diese Ansicht teilen.

Kürzlich habe ich einen Artikel über den Bericht zur "Lage der Welt" von Worldwatch gelesen. Darin wird Konsum als "Klimakiller Nummer Eins" bezeichnet, weil in den Industriestaaten viel zu viele Ressourcen verbraucht werden als unser Planet bereitstellen kann. Wir sind noch weit davon entfernt nachhaltig zu leben und zu wirtschaften. "Noch ist Konsumismus das kulturelle Leitbild, das Menschen Sinn, Zufriedenheit und gesellschaftliche Akzeptanz in dem suchen lässt, was sie konsumieren", sagt der Leiter des Worldwatch Instituts. Solange diese Aussage noch für den überwiegenden Teil der Menschen zutrifft, wird es auch nicht möglich sein nachhaltig zu leben und so die Generationengerechtigkeit zu bewahren.

Es wäre extrem wichtig, dass die Industrieländer hier mit einem Wandel beginnen und somit den Schwellen- und Entwicklungsländern als gutes Vorbild dienen. Denn der wohl schlimmste Fall wäre, wenn diese Länder dieselbe Entwicklung durchmachen wie die Industrieländer und wenn auch dort Konsum als Mittel gesehen wird, um Wohlstand und Zufriedenheit zu erreichen. Denn es hat sich gezeigt, dass Wohlstand, gemessen am BIP, und Lebenszufriedenheit eindeutig nicht einhergehen.

Daher wäre es wichtig, den Menschen ein anderes Bild von Wohlstand zu vermitteln, besonders jenen, die noch nicht in einem Wohlstand nach westlichem Vorbild leben. Denn viele Menschen in den Industriestaaten besitzen materiellen Reichtum, doch glücklich sind sie deswegen noch lange nicht. Oftmals sind es gerade Menschen, die viele soziale Kontakte pflegen und einem erfüllenden Beruf nachgehen, die sich als besonders glücklich bezeichnen.

Bleibt zu hoffen, dass die Schwellen- und Entwicklungsländer von dem Weg verschont bleiben, der nach und nach Freundschaften durch materiellen Besitz und menschliche Wärme durch Konsum ersetzt. Letztendlich muss aber jeder Mensch für sich selbst entscheiden welchen Weg er, bei dem Versuch glücklich zu werden, gehen will. Denn einen uniformen Weg zum Glück wird es, glücklicherweise, niemals geben.

PS: In dem Bericht zur "Lage der Welt! findet sich ein interessanter Tipp, um die Umwelt zu schützen, unnötigen Konsum zu verringern und dabei auch noch glücklicher zu werden. Der Vorschlag lautet: Weniger arbeiten!
1) => die Arbeit auf mehr Menschen aufteilen => gleichmäßigere Verteilung des Volkseinkommens
2) => weniger Geld in der Haushaltskasse => weniger unnötiger Konsum und Luxus => Umweltschutz
3) => mehr Zeit für Familie, Freunde und Hobbies => Lebenszufriedenheit steigt.

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